Zum Weltfehlbildungstag am 03. März: Warum Prävention nicht pausieren sollte
Frankfurt am Main, 04.02.2026 – Viele Frauen starten mit der Folsäuresupplementation, sobald ein Kinderwunsch besteht – doch jede siebte Frau mit Kindern im Alter von 16 bis 45 Jahren (14 %) pausierte die Einnahme, wenn sich eine Schwangerschaft verzögerte. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov.* Dabei empfehlen der Arbeitskreis und medizinische Fachgesellschaften Frauen mit Kinderwunsch, täglich mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen – idealerweise bereits drei Monate vor Eintritt der Schwangerschaft. Denn eine optimale Prävention angeborener Fehlbildungen beginnt nicht erst mit dem positiven Schwangerschaftstest, sondern lange davor. „Die frühzeitige Folsäureeinnahme ist ein wichtiges Instrument, um das Risiko für angeborene Fehlbildungen, wie Neuralrohrdefekte, deutlich zu senken“, sagt Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit.
„Mindestens 50 Prozent der Neuralrohrdefekte könnten durch eine folatreiche Ernährung und die zusätzliche Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft vermieden werden“, so die Kinderärztin und Leiterin des deutschlandweit einzigen Fehlbildungsmonitorings in Sachsen-Anhalt weiter. „Neuralrohrdefekte entstehen sehr früh, zwischen der dritten und vierten Schwangerschaftswoche. Das ist zu einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen oft noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.“ Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige und kontinuierliche Folatversorgung. Eine folatreiche Ernährung mit grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und mit Folsäure angereichertem Jodsalz bildet eine wichtige Grundlage für die Versorgung – reicht aber allein nicht aus. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zudem Unklarheiten beim empfohlenen Zeitpunkt der Supplementation: Zwar haben 34 Prozent der Mütter bereits ab Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäure begonnen, doch immerhin 44 Prozent haben erst mit Beginn oder während der Schwangerschaft gestartet. Deshalb gilt: Gerade Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig und kontinuierlich supplementieren und dazu gut beraten werden. Auch bei einem längeren Weg zur Schwangerschaft.
Prävention braucht verlässliche Daten
„In Deutschland fehlt weiterhin ein flächendeckendes bundesweites Fehlbildungsmonitoring, um ein vollständiges Bild über das tatsächliche Ausmaß, aber auch über Risikofaktoren, regionale Unterschiede und Trends zu bekommen“, erläutert Dr. Rißmann. „Dies ist notwendig, um Präventionsmaßnahmen gezielter auszurichten, Risikogruppen besser zu erreichen und die Wirksamkeit von Maßnahmen systematisch zu bewerten.“ Laut des aktuellen Berichts des Fehlbildungsmonitorings Sachsen-Anhalt liegt die Prävalenz von Neuralrohrdefekten seit Jahrzehnten bei rund 1 von 1.000 Schwangerschaften. Verlässliche Daten sind damit eine zentrale Voraussetzung, um Prävention dort anzusetzen, wo sie am wirksamsten ist – frühzeitig und vor Eintritt der Schwangerschaft.
* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 20. und 28.03.2025 insgesamt 797 Frauen zwischen 16 bis 45 Jahren befragt.
Quellen:
- Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt: Jahresbericht 2024. https://www.angeborene-fehlbildungen.com/Fehlbildungsmonitoring/Aktuelles/Jahresbericht+2024.html (Letzter Zugriff 19.01.2026)
- Obeid et al.: Folate status and health: challenges and opportunities. Perinat. Med., 2016
