Frauen im gebärfähigen Alter fehlt es an Folat – größeres Wissen über gute Versorgung und Nutzen nötig

Strukturformel Folsäure

Das B-Vitamin Folat, auch als Folsäure* bekannt, spielt eine wichtige Rolle, wann immer sich Zellen im menschlichen Körper neu bilden. Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter ist deshalb eine gute Versorgung mit dem Vitamin wichtig: Denn dadurch können im Falle einer Schwangerschaft schwere Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, beim Embryo vermieden werden. Doch gerade bei jüngeren Frauen gibt es hierzulande eine generelle Unterversorgung mit Folat, wie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland erneut gezeigt hat.

Das B-Vitamin Folat, auch als Folsäure* bekannt, spielt eine wichtige Rolle, wann immer sich Zellen im menschlichen Körper neu bilden. Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter ist deshalb eine gute Versorgung mit dem Vitamin wichtig: Denn dadurch können im Falle einer Schwangerschaft schwere Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, beim Embryo vermieden werden. Doch gerade bei jüngeren Frauen gibt es hierzulande eine generelle Unterversorgung mit Folat, wie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) erneut gezeigt hat: Demnach nahmen rund 95 Prozent der untersuchten 18 bis 49-jährigen Frauen für den Fall, dass sie schwanger werden, zu wenig Folat zu sich (1, 2).

„Leider ist vielen Frauen, die schwanger werden wollen oder können, noch immer nicht genügend bewusst, wie wichtig eine gute Folatversorgung ist – und wie diese erreicht werden kann“, sagt Professor Berthold Koletzko, LMU-Universität München. Eine gesunde Ernährung allein reiche dafür erfahrungsgemäß meist nicht aus. Zusätzlich notwendig, so der Sprecher des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit (AK Folsäure), sei die Einnahme von Folsäure-Präparaten. Auch sollten mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel, in Deutschland etwa bestimmte Speisesalze oder Backwaren, verwendet werden. Mit jährlich bis zu 1.000 Fällen liegt die Zahl für Neuralrohrdefekte in Deutschland nach wie vor hoch (3). Wenigstens die Hälfte dieser Fehlbildungen ließe sich, so Koletzko, durch eine gute Folatversorgung einfach und wirksam vermeiden.

Folatstatus jüngerer Frauen mangelhaft

Für die DEGS1-Studie ermittelten Wissenschaftler repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung unter anderem die Folatkonzentration in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Um Neuralrohrdefekte zu vermeiden empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Wert von mindestens 400 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Tatsächlich erreichten aber nur ganze 3 Prozent der 18 bis 29-jährigen Frauen und 4 Prozent der 30 bis 49-jährigen diesen Wert (1). „Damit ist der Folatstatus der allermeisten Frauen im reproduktionsfähigen Alter in Deutschland höchst kritisch“, so Koletzko. Zu einem ähnlichen Ergebnis war zuvor schon die Nationale Verzehrsstudie II gekommen: die tägliche Zufuhr an Folat bzw. Folsäure lag bei jüngeren Frauen durchschnittlich bei nur 200 Mikrogramm (1). Die Zufuhr lag damit deutlich unterhalb der 300 Mikrogramm, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung generell allen Erwachsenen empfiehlt und weit entfernt von den 550 bzw. 450 Mikrogramm, die Schwangere und Stillende zu sich nehmen sollten.

Zu den angeborenen Neuralrohrdefekten zählen die oft als „offener Rücken“ bezeichnete Spina bifida und die Anenzephalie, bei der das embryonale Gehirn nicht richtig ausgebildet wird. Einer der Gründe, warum solche Fehlbildungen in Deutschland und Europa schon seit Jahren unverändert häufig auftreten, ist der frühe Zeitpunkt des Neuralrohrschlusses: Dieser erfolgt bis zum 28. Tag einer Schwangerschaft, von der aber die Frauen dann noch gar nichts wissen. „Um für diese kritische Phase gerüstet zu sein empfehlen Experten, dass Frauen schon beginnend mit dem Kinderwunsch Präparate mit Folsäure zu sich nehmen“, betont Koletzko. Allerdings werde dieser Rat noch immer oft zu spät oder gar nicht umgesetzt. Hinzu komme der hohe Anteil von an die 50 Prozent ungeplanter Schwangerschaften, bei denen erst recht nicht an eine präventive Vorsorge mit Folsäure/Folat gedacht werde.

Empfehlungen für eine bessere Versorgung

Um ihre Bevölkerung und besonders jüngere Frauen besser mit dem B-Vitamin zu versorgen, reichern bereits rund 80 Länder weltweit bestimmte Grundnahrungsmittel generell mit Folsäure an – aber bisher noch kein Land in Europa. In den USA zum Beispiel betrifft diese Maßnahme seit 1998 ausgewählte Mehlsorten. Mit gutem Ergebnis: Seitdem werden dort Neuralrohrdefekte nur noch etwa halb so oft wie vor dem Start der Anreicherung beobachtet (4). In Deutschland können Verbraucher gezielt auf solche Nahrungsmittel achten, denen die Hersteller freiwillig Folsäure zugeben, wie etwa bestimmte Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken. Um ausreichend mit dem B-Vitamin versorgt zu sein, sollten auch möglichst häufig Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte auf dem Speiseplan stehen. Im Alltag ist die Umsetzung aber oft schwierig. Besonders wichtig ist es deshalb auch, dass schon Frauen mit Kinderwunsch täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Werden diese Tipps beherzigt, so Koletzko, lasse sich gut ein gegenüber Neuralrohrdefekten präventiv wirksamer Folatspiegel aufbauen.

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016): Folat. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 13. Ernährungsbericht. Bonn, 47-51
2)Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016) Folatversorgung in Deutschland. Journal of Health Monitoring 1 (2):26-30 DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-034.2
3)Obeid R, Oexle K, Rißmann A, Pietrzik K, Koletzko B. (2016): Folate status and health: challenges and opportunities. J Perinat Med. Apr 1;44(3):261-8. doi: 10.1515/jpm-2014-0346.
4)Obeid R, Pietrzik K, Oakley GP Jr, Kancherla V, Holzgreve W, Wieser S. (2015): Preventable Spina Bifida and Anencephaly in Europe. Birth Defects Research (Part A): Clinical and Molecular Teratology. 2015 Birth Defects Res A Clin Mol Teratol. Sep;103(9):763-71.

24. August 2017

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Optimale Folatversorgung: Angereicherte Nahrungsmittel und Supplemente sollten sich ergänzen

Backzutaten und Utensilien

Das B-Vitamin Folat (auch: Folsäure*) schützt den Nachwuchs vor angeborenen Fehlbildungen, den sogenannten Neuralrohrdefekten, die durch die gestörte Entwicklung des Rückenmarks oder des Gehirns in den ersten Schwangerschaftswochen entstehen können. „Um Neuralrohrdefekte zu verhindern, wird bereits seit drei Jahrzehnten die präventive Einnahme von Folsäuretabletten für alle Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen“, sagt Professor Berthold Koletzko.

Das B-Vitamin Folat (auch: Folsäure*) schützt den Nachwuchs vor angeborenen Fehlbildungen, den sogenannten Neuralrohrdefekten, die durch die gestörte Entwicklung des Rückenmarks oder des Gehirns in den ersten Schwangerschaftswochen entstehen können. „Um Neuralrohrdefekte zu verhindern, wird bereits seit drei Jahrzehnten die präventive Einnahme von Folsäuretabletten für alle Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen“, sagt Professor Berthold Koletzko von der LMU-Universität München, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit (AK Folsäure). „Für die Verbesserung der Folatversorgung ist diese Empfehlung von zentraler Bedeutung – selbst dann, wenn Grundnahrungsmittel mit Folsäure angereichert werden“, ergänzt Koletzko. In den USA werden seit 1998 Getreideprodukte obligatorisch Folsäure enthalten, wodurch sich die Häufigkeit dieser angeborenen Fehlbildungen halbiert hat. Laut einer amerikanischen Ernährungserhebung haben aber dennoch fast ein Viertel der Frauen im gebärfähigen Alter zu geringe Folatspiegel im Blut (1). Die neueste Leitlinie des US-amerikanischen Präventionsausschusses bestätigt, dass alle Frauen möglichst einen Monat vor Beginn der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure beginnen sollten.

Bereits in etwa 80 Ländern: Folsäure-Anreicherung

Wissenschaftliche Studien in den 1980er und 1990er-Jahren zeigten, dass durch die Einnahme von Folsäuretabletten das Auftreten von Neuralrohrdefekten sank (2). Daraufhin wurde von Experten die Supplementation von Folsäure in Tablettenform empfohlen, was allerdings viele Frauen nicht umsetzten. Die Verantwortlichen in den USA und Kanada entschieden sich deshalb schon 1998, Nahrungsmittel mit Folsäure anzureichern. Seitdem enthalten bestimmte Getreideprodukte und dementsprechend alle daraus produzierten Nahrungsmittel 140 Mikrogramm Folsäure pro 100 Gramm. Mittlerweile geschieht eine solche Anreicherung in etwa 80 Ländern weltweit – mit Ausnahme Europas.

Jahrelange Anreicherung in den USA ohne negative Effekte

Mögliche Bedenken gegenüber einer Folsäureanreicherung von Grundnahrungsmitteln sind unbegründet. „Nachteilige Effekte haben sich nicht gezeigt“, betont Professor Koletzko. Die Sicherheit von Folsäure wurde in groß angelegten Untersuchungen bestätigt, zum Teil mit sehr hoher Dosierung von 2,5 mg Folsäure pro Tag (3). Auch die Daten aus den USA und in Kanada belegen die Sicherheit der seit zwei Jahrzehnten vorgenommenen Lebensmittelanreicherung. Die Anreicherung hat in Nordamerika zu einem deutlichen Rückgang von Neuralrohrdefekten geführt. Dort werden 5 bis 6 Fälle pro 10.000 Schwangerschaften verzeichnet (4). In Europa dagegen ist die Rate mit etwa 9 Fällen pro 10.000 Schwangerschaften seit vielen Jahren unverändert hoch, mit unendlichem Leid für betroffene Kinder und ihre Familien (5).

Besteht der Wunsch nach einer Schwangerschaft, sollten Frauen also immer beides tun: Folsäure supplementieren und, soweit vorhanden, mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel verwenden. Eine aktuelle Auswertung zeigt, dass in Deutschland etwa 95 Prozent der Frauen zwischen 18 und 49 Jahren mit Blick auf eine Schwangerschaft nicht adäquat mit Folsäure/Folat versorgt sind (6). „Diese ernüchternden Zahlen machen deutlich, dass auch hierzulande beide Maßnahmen, also Folsäuresupplemente und angereicherte Nahrungsmittel, Hand in Hand gehen sollten, damit Frauen optimal für eine mögliche Schwangerschaft versorgt sind“, erklärt Koletzko. Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen, täglich ein Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen. Daneben rät der AK Folsäure zu einer folatreichen Ernährung mit Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten sowie angereicherten Lebensmitteln, in Deutschland etwa Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken.

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)US Preventive Services Task Force (2017): Folic Acid Supplementation for the Prevention of Neural Tube Defects: US Preventive Services Task Force Recommendation Statement. JAMA. 317(2):183-189. doi: 10.1001/jama.2016.19438
2)MRC Vitamin Study Research Group (1991): Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. Lancet. 1991;338 (8760):131-137.
3)Vollset et al. (2013): Effects of folic acid supplementation on overall and site-specific cancer incidence during the randomized trials: meta-analyses of data on 50,000 individuals. Lancet. Mar 23;381(9871):1029-36.
4)Obeid R, Oexle K, Rißmann A, Pietrzik K, Koletzko B (2016): Folate status and health: challenges and opportunities. J Perinat Med. Apr 1;44(3):261-8. doi: 10.1515/jpm-2014-0346.
5)Khoshnood et al. (2015): Long term trends in prevalence of neural tube defects in Europe: population based study. BMJ; 351 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h5949.
6)Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016): Folat. In: Deut-sche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 13. Ernährungsbericht. Bonn, 47-51

24. August 2017

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Angeborene Herzfehler: Kanadische Studie weist auf schützende Wirkung von Folat hin

Schwangere Frau

In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass Folat (auch: Folsäure*) das ungeborene Kind vor angeborenen Fehlbildungen des Nervensystems schützt, den sog. Neuralrohrdefekten wie Spina bifida und Anenzephalie. Schon länger vermuten Wissenschaftler auch eine schützende Wirkung vor angeborenen Herzfehlern.


In vielen Studien wurde nachgewiesen, dass Folat (auch: Folsäure*) das ungeborene Kind vor angeborenen Fehlbildungen des Nervensystems schützt, den sog. Neuralrohrdefekten wie Spina bifida und Anenzephalie. Schon länger vermuten Wissenschaftler auch eine schützende Wirkung vor angeborenen Herzfehlern. Eine neue kanadische Studie unter der Leitung von Shiliang Liu (1) unterstützt diese Schlussfolgerung. In Kanada werden seit 1998 alle Mehltypen, Nudeln und Maismehl mit Folsäure angereichert. Damit einher ging ein Rückgang der Zahl angeborener Herzfehler um 11 Prozent zwischen 1998 und 2011. „Die Studie von Liu gibt einen deutlichen Hinweis für einen weiteren, wichtigen Nutzen von Folsäure/Folat für die gesunde Kindesentwicklung. Sie ist ein zusätzlicher Beleg für die präventive Wirkung von mit Folsäure angereicherten Grundnahrungsmitteln“, erklärt Professor Berthold Koletzko von der LMU-Universität München, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit (AK Folsäure).

Herzfehler und Folsäure: Ergebnisse aus Kanada

Liu et al. erfassten in ihrer Studie etwa 6 Millionen Schwangerschaften von 1990 bis 2011. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 72.591 angeborene Herzfehler diagnostiziert. Die Forscher verglichen die Häufigkeit von angeborenen Herzfehlern vor und nach dem Beginn der Anreicherung 1998. In den Jahren danach sank das Risiko für angeborene Herzfehler um 11 Prozent oder jährlich etwa 655 kanadische Kinder, bei denen eine angeborene Herzerkrankung verhindert wurde. Auch wenn die Folsäure-Anreicherung vorrangig mit dem Ziel der Prävention von Neuralrohrdefekten eingeführt wurde, liefert die Studie von Liu et al. deutliche Hinweise auf einen zusätzlichen positiven Effekt. „Zu dieser wichtigen Frage sollten unbedingt weitere Untersuchungen durchgeführt werden“, wünscht sich Koletzko.

Schon ab Kinderwunsch auf ausreichende Folatversorgung achten

Um ausreichend mit Folsäure/Folat versorgt zu sein, sollten Frauen schon ab Kinderwunsch täglich ein Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Daneben empfiehlt der AK Folsäure eine folatreiche Ernährung, bestehend aus Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Eine weitere wichtige Quelle für das lebenswichtige Vitamin sind angereicherte Lebensmittel, wie in Deutschland zum Beispiel Speisesalze, Frühstücksflocken oder Backmischungen.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Shiliang Liu et al. (2016): Effect of Folic Acid Food Fortification in Canada on Congenital Heart Disease Subtypes. Circulation 2016 Aug 30;134(9):647-55. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.022126.

24. August 2017

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Nutzen bestätigt: Folsäure wirksam in der primären Prävention von Schlaganfall

Paar am Strand

Eine gute Versorgung mit Folsäure und Folat* nützt nicht nur Frauen rund um die Schwangerschaft, sondern beugt auch Schlaganfällen vor. Dies haben Forscher erneut bestätigt.

Eine gute Versorgung mit Folsäure und Folat* nützt nicht nur Frauen rund um die Schwangerschaft, sondern beugt auch Schlaganfällen vor. Dies haben Forscher erneut bestätigt: In einer großen Studie [1] senkte das Vitamin B9 bei Bluthochdruck-Patienten das Risiko für den sogenannten Hirninfarkt um mehr als 20 Prozent. Der schützende Effekt war dabei so signifikant, dass die Studie vorzeitig beendet wurde. „Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Aufnahme von Folsäure bzw. Folat auch in Deutschland nachhaltig zu verbessern“, schlussfolgert Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de).

Schlaganfall ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache.[2] Die Gefahr, an dieser plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns zu erkranken, steigt beispielsweise durch einen ungesunden Lebensstil, Bluthochdruck oder einen hohen Spiegel an Homocystein im Blut. Dieses Stoffwechselprodukt steht im Verdacht, die Gefäße zu schädigen. Da Folsäure den Homocystein-Wert reduziert, wurde ihr Nutzen für die Schlaganfall-Prävention schon vielfach diskutiert. So ergab im Jahr 2012 beispielsweise eine große Meta-Analyse, dass B-Vitamine wie Folsäure, B6 und B12 das Risiko bei Menschen mit Gefäßerkrankungen signifikant um 12 Prozent senken können.[3] Jetzt wurde dieser Effekt von Forschern um Dr. Yong Huo1 auch bei Personen ohne vorherige kardiovaskuläre Erkrankung bestätigt – und zwar mit Folsäure allein.

Studie belegt Schutz durch Folsäure-Supplementierung

An der groß angelegten sogenannten Primärpräventionsstudie nahmen 20.702 Probanden aus zwei chinesischen Provinzen teil. Die 45- bis 75-Jährigen hatten allesamt einen erhöhten Blutdruck, jedoch noch keinen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten. Es zeigte sich, dass bei denjenigen Studienteilnehmern, die einen Blutdrucksenker kombiniert mit 800 µg Folsäure pro Tag erhielten, um 21 Prozent seltener ein Schlaganfall auftrat als bei Probanden mit alleiniger Gabe des Blutdrucksenkers. Besonders effektiv – um 24 Prozent – konnte das Risiko für den sogenannten ischämischen Schlaganfall gesenkt werden. Dieser ist für etwa 80 Prozent aller Hirninfarkte verantwortlich und entsteht aufgrund von verschlossenen Blutgefäßen. Insgesamt profitierten die Teilnehmer von der Folsäure-Einnahme so eindeutig, dass die Wissenschaftler die Studie vorzeitig beendeten.

Weitreichende Konsequenzen für Schlaganfall-Prävention

Prof. Dr. Rima Obeid zufolge bestätigt die aktuelle Untersuchung nicht nur frühere Erkenntnisse zum präventiven Effekt von Folsäure, sondern bietet noch mehr. „Das Besondere ist, dass Dr. Huo und seine Kollegen erstmals die schützende Wirkung bei gesunden Menschen ohne Gefäßerkrankungen untersucht haben und dass erstmals nur das Vitamin Folsäure gegeben wurde. In allen anderen vergleichbaren Studien erhielten die Probanden eine Kombination aus Folsäure, Vitamin B12 und B6.“ Laut Obeid seien die Ergebnisse zudem auf europäische Verhältnisse übertragbar. Andere Kommentatoren der Studie wie Dr. Stampfer und Dr. Willet aus Boston [4] gehen davon aus, dass die Ergebnisse weitreichende Folgen für die globale Schlaganfall-Prävention haben werden. Und sie halten es für wahrscheinlich, dass sich der protektive Effekt von Folsäure auch auf Menschen ohne Bluthochdruck übertragen lässt. Im Zuge dessen fordern sie eine bessere Versorgung – über gezielte Supplementierung oder die Folsäure-Anreicherung von Lebensmitteln, wie dies z.B. die USA praktizieren.

So lässt sich die Versorgung verbessern

„Die amerikanischen Centres for Disease Control (CDC) gehen davon aus, dass in den USA die Folsäure-Anreicherung von Mehl jährlich schätzungsweise 50.000 kardiovaskuläre Todesfälle durch Schlaganfall und Herzinfarkt verhindert“, erklärt Koletzko. Auch hierzulande sei es notwendig, die Folatversorgung zu verbessern. Denn nach wie vor nähme die Hälfte aller Deutschen nur unzureichende Mengen des Vitamin B9 zu sich – nämlich statt der empfohlenen 300 weniger als 200 Mikrogramm täglich.[5,6] Der Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit rät deshalb allen Verbrauchern, auf eine gesunde Ernährung zu achten: „Viel Folat steckt in frischem Obst und Gemüse wie Blattsalaten, Spinat, Kohlgemüse, Tomaten oder Beerenfrüchten. Davon am besten fünf Portionen täglich essen.“ Außerdem sollten im Haushalt, wo bereits Angebote verfügbar sind, mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel verwendet werden (z.B. Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken). Für Frauen mit Kinderwunsch gelte zudem, dass sie Folsäure-Tabletten (mit mindestens 400 Mikrogramm/Tag) aus der Apotheke einnehmen sollten.

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Quellen:

1)Huo Y et al. Efficacy of Folic Acid Therapy in Primary Prevention of Stroke Among Adults With Hypertension in China. JAMA. 2015 Mar 15. doi: 10.1001/jama.2015.2274
2)Heuschmann PU et al.: Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Akt Neurol 2010; 37:333-340
3)Huang T et al.: Meta-analysis of B vitamin supplementation on plasma homo-cysteine, cardiovascular and all-cause mortality. Clin Nutr 2012; 31(4): 448-454
4)Stampfer M, Willett W. Folate Supplements for Stroke Prevention: Targeted Trial Trumps the Rest. JAMA. 2015 Mar 15. doi: 10.1001/jama.2015.1961
5)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf
6)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

02. September 2015

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Am 3. März ist der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“: An Prävention mit Folsäure denken

Paar im Bett

Am 3. März 2015 findet weltweit der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“ (World Birth Defect Day) statt. Zu den Initiatoren gehört die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Am 3. März 2015 findet weltweit der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“ (World Birth Defect Day) statt.1 Zu den Initiatoren gehört die Weltgesundheitsorganisation WHO. Ziel ist es, über die verschiedenen Formen angeborener Erkrankungen zu informieren und insbesondere die Prävention zu stärken. Anlässlich des Tages weist der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit auf die besondere Bedeutung des B-Vitamins Folsäure bzw. Folat hin. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind zum Beispiel bestmöglich vor sogenannten Neuralrohrdefekten zu schützen, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich. Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn es sich im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und 28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida („gespaltener Wirbel“) und Hydrocephalus (Hirnwasser staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert).2,3

Mit Folsäure und Folat vorsorgen

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“ Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.“

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Tipps für eine bessere Folatversorgung

Um besser mit Folsäure/Folat versorgt zu sein, helfen folgende Ratschläge des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit:

Bunte Vielfalt: Ideal sind fünf Portionen Obst und Gemüse täglich – am besten möglichst abwechslungsreich und farbenfroh wie Tomaten, Orangen oder Spinat. Auch Kohlgemüse und Hülsenfrüchte punkten als Top-Folat-Quellen.

Kalte Küche: Der Griff zu Rohkost lohnt sich. Werden Obst und Gemüse nicht gekocht und erst kurz vor dem Verzehr geschnitten, bleibt maximal viel Folat erhalten. Ins Kochwasser kann ein Großteil des B-Vitamins übergehen, deshalb lieber mit wenig Flüssigkeit kochen oder dämpfen bzw. dünsten. Außerdem langes Warmhalten vermeiden.

Kraft aus vollem Korn: Vollkorn schlägt Weißmehl mit einem bis zu 50 Prozent höherem Folatgehalt. Denn besonders viele Vitamine stecken in Schale und Keimling des Korns, die bei der Herstellung von Weißmehl entfernt werden.

Wenn lagern, dann richtig: Obst und Gemüse am besten frisch genießen, da Folat eine licht- und luftscheue Mimose ist. Wer auf Vorrat kauft, sollte ausreichend Platz im Kühlschrank schaffen. Eine gute Alternative, wenn`s schnell gehen muss: Tiefkühlware (wird erntefrisch eingefroren und die Vitamine bleiben erhalten).

Lebensmittel plus: Mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel (zum Beispiel Speisesalze mit Folsäure) können eine gesunde Ernährung ergänzen und helfen, den empfohlenen Tageswert für Folsäure/Folat zu erreichen. Auch beim Kochen und Backen bleibt die zugesetzte Folsäure weitgehend erhalten.

Supplemente zur Schwangerschaftsvorsorge: Frauen mit Kinderwunsch wird zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder von der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe geraten, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einzunehmen – wenigstens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Siehe zu den Initiatoren und Zielen: http://www.ifglobal.org/en/home/2-uncategorised/4680-the-first-world-birth-defects-day-is-approaching, abgerufen am 23.02.2015<
2)Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.: Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 23.02.2014)
3)Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.: Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 23.02.2014)
4)B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

24. Februar 2015

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Die meisten Kinder werden im Dezember gezeugt: Jetzt mit Folsäure/Folat vorsorgen und Fehlbildungen verhindern

Paar im Bett

Ganz wichtig für alle, die Nachwuchs planen: Bereits vor der Schwangerschaft sollten Frauen ausreichend Folat bzw. Folsäure über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel und Supplemente zu sich nehmen.

In der kalten Jahreszeit knistert und lodert nicht nur das Feuer im Kamin. Für viele Paare bleibt das kuschelige Zusammensein im Winter nicht ohne Folgen. Denn zum Jahresende hin werden traditionell viele Kinder gezeugt.1 Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung2 ergaben, dass der September der Monat ist, in dem die meisten Kinder zur Welt kommen, nämlich neun Prozent aller Lebendgeborenen. Im Umkehrschluss heißt das: Frauen werden am häufigsten im Dezember schwanger. Ganz wichtig für alle, die Nachwuchs planen: „Bereits vor der Schwangerschaft sollten Frauen ausreichend Folat bzw. Folsäure* über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel und zusätzlich in Form von Supplementen zu sich nehmen. So lassen sich schwere kindliche Fehlbildungen verhindern“, sagt Prof. Dr. Rima Obeid, stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de).

Folsäure – das Schwangerschaftsvitamin
„Seit mehr als 20 Jahren ist bekannt, dass eine gute Folatversorgung das ungeborene Kind vor Neuralrohrdefekten wie Spina bifida schützen kann“, erklärt Obeid. Doch noch immer seien davon in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 700 bis 1.000 Schwangerschaften betroffen. Darüber hinaus werde vermutet, dass das B-Vitamin bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Fehlbildungen des kindlichen Herzens ebenfalls einen protektiven Effekt habe. Was alle Frauen mit Kinderwunsch wissen sollten: Bereits zu Beginn der Schwangerschaft muss ein ausreichend hoher Folatspiegel im Blut (sogenannter Serumfolatspiegel) aufgebaut worden sein, da sich schon in den ersten Schwangerschaftswochen Organe und Körpersysteme des Embryos beginnen auszubilden. Das Problem laut Obeid: „Anstatt wie empfohlen schon ab Kinderwunsch starten viele Frauen mit der Einnahme von Folsäure erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind.“

Empfehlung: Frühzeitige Folsäure-Prophylaxe
Wer eine Schwangerschaft plant, sollte an Folsäure denken: „Generell sollten alle Frauen bereits ab Kinderwunsch täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einnehmen, wenigstens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels“, rät Obeid. Es könne zudem nützlich sein, die Supplementation während der Stillzeit fortzuführen. Denn die Mutter gebe beim Stillen viel Folat an den Säugling weiter – für rasches Wachstum und vermehrte Zellteilung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Verbrauchern, täglich 300 Mikrogramm Folat zu sich zu nehmen. In der Schwangerschaft und der Stillzeit liegen die Tageswerte mit 550 bzw. 450 Mikrogramm noch einmal deutlich darüber.3 Zum Vergleich: 300 Mikrogramm stecken zum Beispiel etwa in sieben Orangen à 180 Gramm oder 1,4 Kilogramm Tomaten. Über die tägliche Ernährung sind die meisten Deutschen nicht ausreichend mit Folat versorgt. Die Hälfte nimmt weniger als 200 Mikrogramm zu sich.4

Folsäure-Einnahme: Wissensdefizite in Bevölkerung
Studien zufolge gibt es große Wissensdefizite in der Allgemeinbevölkerung zur Bedeutung des B-Vitamins für die Schwangerschaft. Bei einer Erhebung des Bundesinstituts für Risikobewertung5 wusste weniger als die Hälfte der Befragten, die den Begriff „Folsäure“ schon gehört hatten, dass dies ein Vitamin ist. Nur jede zweite Teilnehmerin mit Kinderwunsch konnte sich vorstellen, Folsäure-Präparate wie empfohlen einzunehmen. Vielfach gab es unbegründete Sorgen wie generelle Bedenken gegen Tabletten, Furcht vor Nebenwirkungen oder Zweifel an der Wirksamkeit. „Die rechtzeitige Umsetzung der Folsäure-Empfehlungen im gebärfähigen Alter sind aber von großer Bedeutung für die Prävention von kindlichen Fehlbildungen“, sagt Obeid. Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit setzt sich daher dafür ein, das Wissen zu Folsäure/Folat sowie die Versorgung damit in Deutschland zu verbessern.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Statistisches Bundesamt: Broschüre „Geburten in Deutschland 2012“, Ausgabe 2012
2)Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Werden an Weihnachten die meisten Kinder gezeugt? (Link, abgerufen am 18.09.2014)
3)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, Link
4)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbe-richt 2012. Bonn (2012) 40-85
5)Kowoll S. et al. (Bundesinstitut für Risikobewertung): Wissensstand von jungen Erwachsenen über die Bedeutung von Folsäure zur Prävention von Neuralrohrdefekten, Poster anlässlich der 13. Dreiländertagung von ÖGE, DGE und SGE:, 27.-28.09.2012, Wien

06. November 2014

Abdruck honorarfrei / Beleg erbeten

Embryonale Fehlbildungen verhindern: Rechtzeitig an Folsäure denken

Schwangere Frau

Der 25. Oktober ist Internationaler Spina bifida & Hydrocephalus Tag

Viele Frauen starten Prävention zu spät / Gute Versorgung mit Folsäure und Folat senkt Risiko um bis zu 70 Prozent / Folataufnahme in Deutschland generell unzureichend

Frankfurt am Main, 16. Oktober 2014 (akfg) – Zum dritten Mal findet am 25. Oktober der Internationale Spina bifida & Hydrocephalus Tag statt.1 Ziel ist es, weltweit das öffentliche Bewusstsein für diese angeborenen Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, zu stärken und die Prävention zu verbessern. Hierbei spielt ein bestimmtes B-Vitamin, das Folat*, die Hauptrolle. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind bestmöglich zu schützen. Darauf weist Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de), hin. In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich.

Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn sich das Neuralrohr im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und  28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida und Hydrocephalus.

Die Folgen von Spina bifida und Hydrocephalus

Spina bifida bedeutet so viel wie „gespaltener Wirbel“. Die Konsequenzen für das Kind können sehr unterschiedlich sein. Die geschlossene Form (Spina bifida occulta) ist äußerlich kaum erkennbar und verläuft zunächst symptomfrei. Bei der offenen Form (Spina bifida aperta) tritt das Rückenmark durch den Wirbeldefekt aus seinem unverschlossenen Kanal heraus und liegt ungeschützt an der Körperoberfläche – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung „offener Rücken“. Die Schädigung des fehlgebildeten Rückenmarks führt zu einer Querschnittslähmung, die je nach Höhe der Spina bifida unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei 80 Prozent der Betroffenen kann zudem das Hirnwasser nicht mehr richtig  abfließen. Es staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert. Man spricht dann von einem Hydrocephalus.2,3  

Diagnose und Behandlung

Festgestellt werden Neuralrohrdefekte meist um die 20. Schwangerschaftswoche bei einem Vorsorgeultraschall. Operativ wird direkt nach der Entbindung das offene Rückenmark abgedeckt, meist muss das Nervenwasser künstlich abgeleitet werden (Shuntversorgung). Diese lebensnotwendigen Eingriffe können jedoch die zuvor entstandenen Nervenschädigungen bzw. Lähmungen nicht heilen. Die meisten Eltern entscheiden sich daher, konfrontiert mit der vorgeburtlich gestellten Diagnose, für einen Schwangerschaftsabbruch.

Mit Folsäure und Folat vorsorgen!

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“

Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de

* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.

Quellen:

  1. International Federation for Spina Bifida and Hydrocephalus (http://www.worldspinabifidahydrocephalusday.com/, abgerufen am 28.09.2014)
  2. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 28.09.2014)
  3. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 28.09.2014)
  4. B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

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Embryonale Fehlbildungen verhindern: Rechtzeitig an Folsäure denken

Schwangere Frau

Der 25. Oktober ist Internationaler Spina bifida & Hydrocephalus Tag

Viele Frauen starten Prävention zu spät / Gute Versorgung mit Folsäure und Folat senkt Risiko um bis zu 70 Prozent / Folataufnahme in Deutschland generell unzureichend

Frankfurt am Main, 16. Oktober 2014 (akfg) – Zum dritten Mal findet am 25. Oktober der Internationale Spina bifida & Hydrocephalus Tag statt.1 Ziel ist es, weltweit das öffentliche Bewusstsein für diese angeborenen Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, zu stärken und die Prävention zu verbessern. Hierbei spielt ein bestimmtes B-Vitamin, das Folat*, die Hauptrolle. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind bestmöglich zu schützen. Darauf weist Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de), hin. In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich.

Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn sich das Neuralrohr im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und  28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida und Hydrocephalus.

Die Folgen von Spina bifida und Hydrocephalus

Spina bifida bedeutet so viel wie „gespaltener Wirbel“. Die Konsequenzen für das Kind können sehr unterschiedlich sein. Die geschlossene Form (Spina bifida occulta) ist äußerlich kaum erkennbar und verläuft zunächst symptomfrei. Bei der offenen Form (Spina bifida aperta) tritt das Rückenmark durch den Wirbeldefekt aus seinem unverschlossenen Kanal heraus und liegt ungeschützt an der Körperoberfläche – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung „offener Rücken“. Die Schädigung des fehlgebildeten Rückenmarks führt zu einer Querschnittslähmung, die je nach Höhe der Spina bifida unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei 80 Prozent der Betroffenen kann zudem das Hirnwasser nicht mehr richtig  abfließen. Es staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert. Man spricht dann von einem Hydrocephalus.2,3  

Diagnose und Behandlung

Festgestellt werden Neuralrohrdefekte meist um die 20. Schwangerschaftswoche bei einem Vorsorgeultraschall. Operativ wird direkt nach der Entbindung das offene Rückenmark abgedeckt, meist muss das Nervenwasser künstlich abgeleitet werden (Shuntversorgung). Diese lebensnotwendigen Eingriffe können jedoch die zuvor entstandenen Nervenschädigungen bzw. Lähmungen nicht heilen. Die meisten Eltern entscheiden sich daher, konfrontiert mit der vorgeburtlich gestellten Diagnose, für einen Schwangerschaftsabbruch.

Mit Folsäure und Folat vorsorgen!

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“

Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.

Quellen:

  1. International Federation for Spina Bifida and Hydrocephalus (http://www.worldspinabifidahydrocephalusday.com/, abgerufen am 28.09.2014)
  2. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 28.09.2014)
  3. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 28.09.2014)
  4. B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

16. Oktober 2014

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Folatreicher Grünkohl – das gesunde Trendgemüse endlich wieder frisch vom heimischen Feld

Frischer Grünkohl

Die Grünkohlsaison hat begonnen. Das Trendgemüse ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch äußerst gesund. Was viele nicht wissen: Grünkohl zählt zu den Top-Folat-Lieferanten.

Die Grünkohlsaison hat begonnen: Traditionell wird sie mit dem ersten Frost eingeläutet, doch kann das Trendgemüse, das in den USA einen anhaltenden Verzehrboom erlebt, auch schon vorher geerntet werden. Seine Vorteile: Es ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch äußerst gesund, da es einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen aufweist. Was viele nicht wissen: „Grünkohl zählt zu den Top-Folat-Lieferanten“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Stein, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). „Das B-Vitamin benötigt der Körper für Wachstumsprozesse, die Zellteilung und Blutbildung. Embryos im Mutterleib schützt es vor schweren Fehlbildungen.“ Es sei deshalb wichtig, die Versorgung mit Folsäure/Folat* über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel (zum Beispiel entsprechend angebotene Speisesalze) und gegebenenfalls mit Supplementen zu optimieren.

Ein „Superfood“ auf dem Vormarsch
Zu einer gesundheitsbewussten Ernährungsweise passt Grünkohl ideal. Das ist auch in den USA bekannt, wo er derzeit eine wahre Renaissance erlebt. „Kale“, wie Grünkohl dort genannt wird, ist mittlerweile zum so genannten „Superfood“ aufgestiegen. Der Grünkohlgenuss vereint ein würzig-herbes mit einem süßlichen Geschmackserlebnis. Denn die Kälte bzw. der Frost bei der Ernte sorgen dafür, dass der Zuckerabbau in den Blättern gehemmt wird. So ist Grünkohl der Renner auf den Speisekarten und Gemüsemärkten von New York bis Hollywood. Dabei wird er dort weniger deftig mit Mettwurst oder Schweinebacke wie hierzulande genossen, sondern vor allem in seiner leichten, kalorienarmen Version: in Form verschiedener Grünkohl-Salatvariationen oder als Grünkohl-Smoothie. So empfiehlt die Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow das Blattgemüse bereits zum Frühstück als Saft im Mix mit Zitrone, Apfel, Zimt und Minze. Der neueste Diät-Trend: Grünkohlchips als Alternative zu fetthaltigen Kartoffelchips. Dazu werden die Blätter zum Beispiel mit einer Marinade aus Paprika, Walnüssen, Ahornsirup, Nährhefe, Zitronensaft, Salz und Cayennepfeffer gewürzt und anschließend knusprig gebacken.1,2 Nach dieser Zubereitung ist der Folatgehalt allerdings stark reduziert.

Grünkohl: Folat-Star unter den Gemüsesorten
Als Tagesbedarf an Folat nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 300 Mikrogramm täglich. Schwangere und Stillende benötigen deutlich mehr, nämlich 550 bzw. 450 Mikrogramm.3 „Die Hälfte aller Deutschen nimmt jedoch weniger als 200 Mikrogramm zu sich“, sagt der Ernährungsexperte Stein. Grünkohl sei unter den Gemüsesorten und Hülsenfrüchten neben Kichererbsen, Linsen und Spinat besonders folatreich und könne helfen, die Versorgung mit dem für den Körper so wichtigen Vitamin zu verbessern. Neben reichlich Calcium, Vitamin C und Eisen enthalte das Wintergemüse 187 Mikrogramm Folat pro 100 Gramm (in ungekochtem Zustand).

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Industrieverband Agrar: Wintergemüse will Kultstatus – der Grünkohl, Link (abgerufen am 18.09.2014)
2)DiePresse.com: Kale: Der coole Kohl aus Amerika, Link (abgerufen am 18.09.2014)
3)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, Link

06. November 2014

Abdruck honorarfrei / Beleg erbeten

Nach Senkung der DGE-Referenzwerte: Folat-Versorgung in Deutschland bleibt mangelhaft – Aufnahme noch geringer als angenommen

Backzutaten und Utensilien

Keinen Grund zur Entwarnung bei der Folatversorgung sieht der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit. Zwar hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) den empfohlenen Tageswert von 400 µg auf 300 µg gesenkt. Die Lücke zwischen empfohlener und realer Aufnahme bleibt aber groß. Denn nach einer von Wissenschaftlern des Max Rubner-Instituts vorgenommenen Neubewertung nimmt etwa die Hälfte aller Deutschen weniger als 200 µg Folat zu sich. Die Folataufnahme ist damit noch geringer als bislang vermutet. „Theoretisch lässt sich der empfohlene Tageswert durch gesunde Kost erreichen“, sagt Arbeitskreis Folsäure-Sprecher Prof. Dr. Berthold Koletzko. Praktisch aber erreichen viele Menschen die empfohlene Tageszufuhr nur, wenn sie mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel verzehren (zum Beispiel Speisesalze mit Folsäure). Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit setzt sich für eine bessere Versorgung mit Folat ein (www.ak-folsaeure.de).

Folat benötige der Organismus, damit neue Zellen entstehen und wachsen könnten, erklärt Koletzko. Das lebenswichtige B-Vitamin trage außerdem dazu bei, den gefäßschädigenden Stoff Homocystein aus dem Blut zu „entsorgen“. Jugendlichen und Erwachsenen riet die DGE bisher, täglich 400 µg über die Nahrung aufzunehmen. Nach einer Neuauswertung von Studien geht die DGE jetzt von 300 µg aus, um gut versorgt zu sein [1,2]. Zugleich hat das Max Rubner-Institut die tatsächliche, mittlere (mediane*) Zufuhr auf Grundlage der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) neu berechnet: Sie beträgt jetzt für Frauen nur noch 184 µg, für Männern 207 µg Folsäure/Folat**. Das ist ebenfalls rund ein Viertel weniger, als bisher geschätzt. Die Wissenschaftler hatten die Daten von knapp 14.000 Studienteilnehmern anhand des aktuellen, sogenannten Bundeslebensmittelschlüssels neu analysiert [3,4].

Der Arbeitskreis Folsäure rät: So lässt sich die Folatlücke schließen

Verbraucher sollten sich an den Empfehlungen der DGE für eine vollwertige Ernährung [5] orientieren, rät Prof. Dr. Rima Obeid, stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure. Gute natürliche Folatquellen sind beispielsweise grüne Gemüsesorten wie Blattsalat oder Spinat aber auch Kohlgemüse, Tomaten und Zitrusfrüchte sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Ideal sind fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag (auch als Rohkost bzw. schonend zubereitet) und mehrmals täglich Vollkornprodukte. „Aber auch wenn das Wissen vorhanden ist, gelingt die praktische Umsetzung im Alltag oft nicht“, so Obeid. Für eine bessere Folatversorgung fordert der Arbeitskreis Folsäure zudem, Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Backwaren mit Folsäure anzureichern, schon vorhandene Angebote wie beim Speisesalz sollten genutzt werden. Nicht hilfreich ist dagegen die wahllose Anreicherung von Produkten wie Orangensaft oder Süßwaren, die nur unregelmäßig verzehrt werden.

Schwangerschaft: Zusätzlich Folsäure-Präparate einnehmen

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf, die neuen DGE-Referenzwerte beziffern ihn auf 550 µg bzw. 450 µg Folat pro Tag (statt bisher je 600 µg). Wie die DGE rät der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit allen Frauen, bei Kinderwunsch schon vor der Schwangerschaft zusätzlich täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einzunehmen, mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Das ist deshalb so bedeutend, weil ein optimaler Folatstatus der Mutter den Embryo insbesondere schon zu Schwangerschaftsbeginn vor schweren angeborenen Fehlbildungen schützen kann, zum Beispiel vor sogenannten Neuralrohrdefekten. „Laut Nationaler Verzehrsstudie nutzen generell weniger als 20 Prozent der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter eine zusätzliche Supplementation von Multivitaminpräparaten mit zum Beispiel Folsäure“, erklärt Obeid. „Da erfahrungsgemäß viele Schwangerschaften nicht geplant sind, sollte bei Frauen in diesem Alter besonders auf eine ausreichend Folatversorgung geachtet werden. Dieses Ziel lässt sich durch gezielte Supplementation beziehungsweise Folsäure-Anreicherung von ausgewählten Grundnahrungsmitteln erreichen.“

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de


*Median: Die eine Hälfte aller gemessenen Werte liegt darüber, die andere Hälfte darunter

**Folsäure und Folat: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird.

Quellen:

[1] Pressemeldung: „DGE veröffentlicht neue Referenzwerte für Folat“, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 18. Juni 2013, www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1286

[2] Ausgewählte Fragen und Antworten zu Folat, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Juni 2013, www.dge.de/pdf/ws/FAQ-Folat-DGE.pdf

[3] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf

[4] Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

[5] „Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE“: www.dge.de/pdf/10-Regeln-der-DGE.pdf

Februar 2014