BfR-Mitteilung: „Folsäure und Co.: Müssen Schwangere ihre Nahrung ergänzen?“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine neue Mitteilung zur Mikronährstoffversorgung in der Schwangerschaft veröffentlicht. Darin wird dargestellt, bei welchen Vitaminen und Mineralstoffen der Bedarf erhöht ist und in welchen Fällen eine Supplementierung empfohlen wird.

Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung von Folsäure: Frauen mit Kinderwunsch sowie im ersten Schwangerschaftsdrittel sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich 400 µg Folsäure einnehmen, um das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind zu reduzieren.

Die vollständige Mitteilung sowie weiterführende Informationen sind auf dem Informationsportal mikroco-wissen.de abrufbar:

👉 Zur BfR-Mitteilung: https://www.bfr.bund.de/mitteilung/folsaeure-und-co-muessen-schwangere-ihre-nahrung-ergaenzen/
👉 Zum Informationsportal mikroco-wissen.de: https://www.mikroco-wissen.de/allgemeine-informationen/nahrungsergaenzungsmittel-brauche-ich-so-etwas/mikronaehrstoffbedarf-in-der-schwangerschaft/

Folsäure begleitet den Kinderwunsch – auch dann, wenn es länger dauert

Zum Weltfehlbildungstag am 03. März: Warum Prävention nicht pausieren sollte

Frankfurt am Main, 04.02.2026 – Viele Frauen starten mit der Folsäuresupplementation, sobald ein Kinderwunsch besteht – doch jede siebte Frau mit Kindern im Alter von 16 bis 45 Jahren (14 %) pausierte die Einnahme, wenn sich eine Schwangerschaft verzögerte. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov.* Dabei empfehlen der Arbeitskreis und medizinische Fachgesellschaften Frauen mit Kinderwunsch, täglich mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen – idealerweise bereits drei Monate vor Eintritt der Schwangerschaft. Denn eine optimale Prävention angeborener Fehlbildungen beginnt nicht erst mit dem positiven Schwangerschaftstest, sondern lange davor. „Die frühzeitige Folsäureeinnahme ist ein wichtiges Instrument, um das Risiko für angeborene Fehlbildungen, wie Neuralrohrdefekte, deutlich zu senken“, sagt Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit.

„Mindestens 50 Prozent der Neuralrohrdefekte könnten durch eine folatreiche Ernährung und die zusätzliche Einnahme von Folsäure vor und während der Schwangerschaft vermieden werden“, so die Kinderärztin und Leiterin des deutschlandweit einzigen Fehlbildungsmonitorings in Sachsen-Anhalt weiter. „Neuralrohrdefekte entstehen sehr früh, zwischen der dritten und vierten Schwangerschaftswoche. Das ist zu einem Zeitpunkt, an dem viele Frauen oft noch gar nicht wissen, dass sie schwanger sind.“ Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige und kontinuierliche Folatversorgung. Eine folatreiche Ernährung mit grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und mit Folsäure angereichertem Jodsalz bildet eine wichtige Grundlage für die Versorgung – reicht aber allein nicht aus. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen zudem Unklarheiten beim empfohlenen Zeitpunkt der Supplementation: Zwar haben 34 Prozent der Mütter bereits ab Kinderwunsch mit der Einnahme von Folsäure begonnen, doch immerhin 44 Prozent haben erst mit Beginn oder während der Schwangerschaft gestartet. Deshalb gilt: Gerade Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig und kontinuierlich supplementieren und dazu gut beraten werden. Auch bei einem längeren Weg zur Schwangerschaft.

Prävention braucht verlässliche Daten

„In Deutschland fehlt weiterhin ein flächendeckendes bundesweites Fehlbildungsmonitoring, um ein vollständiges Bild über das tatsächliche Ausmaß, aber auch über Risikofaktoren, regionale Unterschiede und Trends zu bekommen“, erläutert Dr. Rißmann. „Dies ist notwendig, um Präventionsmaßnahmen gezielter auszurichten, Risikogruppen besser zu erreichen und die Wirksamkeit von Maßnahmen systematisch zu bewerten.“ Laut des aktuellen Berichts des Fehlbildungsmonitorings Sachsen-Anhalt liegt die Prävalenz von Neuralrohrdefekten seit Jahrzehnten bei rund 1 von 1.000 Schwangerschaften. Verlässliche Daten sind damit eine zentrale Voraussetzung, um Prävention dort anzusetzen, wo sie am wirksamsten ist – frühzeitig und vor Eintritt der Schwangerschaft.

* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 20. und 28.03.2025 insgesamt 797 Frauen zwischen 16 bis 45 Jahren befragt.

Quellen:

 

Umfrage verdeutlicht: Folsäuresupplementation in der Schwangerschaft bekannt – aber Zeitraum oft unklar Vereinfachte Botschaften erhöhen die Reichweite der Empfehlung

Frankfurt am Main, 01.10.2025 – 82 Prozent der Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren wissen, dass Folsäure wichtig für die Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaft ist – 53 Prozent kennen auch den präventiven Effekt. Das zeigt eine repräsentative Befragung* des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut YouGov. Folsäure trägt in den ersten Schwangerschaftswochen entscheidend zur Prävention von Neuralrohrdefekten bei – dennoch ist in Deutschland etwa eine von 1.000 Schwangerschaften davon betroffen.** „Es freut uns, dass die Bedeutung von Folsäure von vielen Frauen richtig eingeschätzt wird. Aber dass die Supplementation bereits mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft begonnen werden sollte, ist nicht immer präsent und deshalb beginnen viele Frauen zu spät mit der Einnahme“, sagt Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises und Leiterin des Fehlbildungsmonitorings an der Universitätsmedizin Magdeburg. „Für die Praxis brauchen wir Empfehlungen, die verständlich, einprägsam und leicht kommunizierbar sind, da eine ausreichende Folatversorgung helfen kann, das Risiko für Neuralrohrdefekte um mindestens 50 Prozent zu senken“, ergänzt die Pädiaterin.

Drei Monate vor Schwangerschaftsbeginn – einfach und eindeutig

Die derzeit gültigen Empfehlungen nennen einen Beginn von mindestens vier Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft und die Fortführung mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Diese spezifische Formulierung kennt laut der Befragung nur 24 Prozent der Frauen. Deutlich mehr – 47 Prozent – war hingegen die vereinfachte Botschaft „drei Monate vor der Schwangerschaft beginnen“ geläufig. „Das macht deutlich, dass die Drei-Monats-Empfehlung offenbar leichter zu verstehen ist und nachhaltiger im Gedächtnis bleibt“, resümiert Dr. Frank Thieme, niedergelassener Gynäkologe und Arbeitskreismitglied.

Klarheit in den Empfehlungen notwendig

„Seit fast drei Jahrzehnten zeigt sich in Deutschland keine relevante Abnahme der Prävalenz von Neuralrohrdefekten. Ein Hinweis darauf, dass die bisherigen Empfehlungen in ihrer Wirkung begrenzt bleiben“, erklärt Dr. Rißmann. Auch weil der Folatbedarf nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel weiterhin erhöht und die rein alimentäre Abdeckung erschwert bleibt, könnte es für die adäquate Folsäureversorgung über die gesamte Schwangerschaft zielführender sein, die Empfehlung so klar wie möglich zu formulieren: drei Monate vor der Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende der Schwangerschaft fortführen. „All diese Aspekte gilt es, in zukünftigen Empfehlungen möglichst zu berücksichtigen. Eine einfache und konkrete Botschaft könnte die Chancen erhöhen, dass mehr Frauen von der präventiven Wirkung der Folsäure profitieren“, fasst Dr. Thieme zusammen.

 

* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 20. und 28.03.2025 insgesamt 797 Frauen befragt.

** Obeid R. et al. (2016) Folate status and health: challenges and opportunities. J. Perinat. Med; 44(3): 261–268, DOI: 10.1515/jpm-2014-0346