Sommer, Sonne, Lebensmittelvielfalt – eine ausgewogene Ernährung liefert auch Folat

Zum Tag der Lebensmittelvielfalt am 31. Juli: Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit informiert über die Bedeutung einer guten Folatversorgung vor der Schwangerschaft

Frankfurt am Main, 31.07.2026 – Im Sommer greifen viele Menschen ganz automatisch zu frischen und abwechslungsreichen Lebensmitteln. Denn gerade jetzt ist das Angebot an saisonalen Produkten besonders groß. Was dabei oft unbemerkt mit auf dem Teller landet: Folat. Das B-Vitamin steckt unter anderem in grünem Blattgemüse, Tomaten, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten und spielt insbesondere für Frauen mit Kinderwunsch und in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. „Bereits vor der Schwangerschaft trägt eine gute Folatversorgung dazu bei, das Risiko für angeborene Fehlbildungen zu senken“, sagt Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit. „Dafür gibt es zwei zentrale Säulen – eine folatreiche Ernährung als gute Basis und die zusätzliche Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure am Tag ab Kinderwunsch“, so die Kinderärztin weiter.

Der Tag der Lebensmittelvielfalt erinnert daran, wie eng ausgewogene Ernährung und Gesundheitsvorsorge zusammenhängen. Für Frauen mit Kinderwunsch ist dabei vor allem der richtige Zeitpunkt entscheidend: Da sich das Neuralrohr des Kindes bereits in den ersten Schwangerschaftswochen entwickelt, sollte auf eine gute Folatversorgung schon vor einer Schwangerschaft geachtet werden. In Deutschland ist nach wie vor etwa eine von 1.000 Schwangerschaften von einem Neuralrohrdefekt betroffen. Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert wichtige Folatquellen. Ergänzend kann auch Jodsalz mit Folsäure verwendet werden. Für die Schwangerschaftsvorsorge bleibt die zusätzliche Einnahme von Folsäure ab Kinderwunsch jedoch unverzichtbar.

Viele Frauen starten zu spät – warum Folsäureprävention oft nicht rechtzeitig greift

Interview zum Internationalen Tag der Frauengesundheit am 28. Mai

Frankfurt am Main, 05.05.2026 – Der Internationale Tag der Frauengesundheit am 28. Mai macht jedes Jahr auf gesundheitliche Bedürfnisse und Herausforderungen von Frauen aufmerksam. Ein oft unterschätzter Bereich ist dabei die Folatversorgung ab Kinderwunsch. Sie trägt wesentlich zur gesunden Entwicklung des Kindes in der frühen Schwangerschaft bei. Aus diesem Anlass sprechen Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit, Kinderärztin sowie Leiterin des deutschlandweit einzigen Fehlbildungsmonitorings in Sachsen-Anhalt, und  niedergelassene der Gynäkologe Dr. Frank Thieme, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises sowie stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbands der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF), über den aktuellen Stand der Folatversorgung in Deutschland, vermeidbare Risiken wie Neuralrohrdefekte und weshalb Prävention bereits vor der Schwangerschaft beginnen muss.

Die Supplementierung von Folsäure vor und während der Schwangerschaft wird seit Jahrzehnten empfohlen – unter anderem, um das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida (auch „offener Rücken“ genannt) zu senken. Dennoch entstehen weiterhin Fälle, die vermeidbar wären. Woran scheitert es aus Ihrer Sicht?

PD Dr. Anke Rißmann: Obwohl es seit vielen Jahren klare Empfehlungen gibt, bestehen weiterhin Hürden. Ein zentrales Problem ist die fehlende Aufklärung vor der Schwangerschaft. Viele Frauen wissen, dass Folsäure wichtig ist, aber nicht, dass sie bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft eingenommen werden sollte. Hinzu kommt, dass die Supplementation häufig nicht täglich erfolgt und damit die notwendigen Folatspiegel gar nicht erreicht werden. Auch strukturelle Faktoren spielen eine Rolle, etwa wenn Schwangerschaften spontan entstehen oder ärztliche Beratung im Vorfeld nicht stattfindet.
Dr. Frank Thieme: Der genannte hohe Anteil ungeplanter Schwangerschaften spielt eine wichtige Rolle. In diesen Fällen findet eine präkonzeptionelle Beratung oft gar nicht statt. Aber auch bei geplanten Schwangerschaften wird die Empfehlung nicht immer konsequent umgesetzt, etwa aufgrund unterschiedlicher Gesundheitskompetenz oder Lebensumstände. Ein Blick ins Ausland zeigt zudem, dass strukturelle Maßnahmen einen Unterschied machen können: Länder mit einer verpflichtenden Anreicherung von Grundnahrungsmitteln mit Folsäure verzeichnen deutlich niedrigere Raten an Neuralrohrdefekten. In Deutschland wird dieser Ansatz bislang nicht verfolgt.

Wie stellt sich die aktuelle Situation bei Neuralrohrdefekten in Deutschland dar – und warum ist das Thema gerade im Kontext der Frauengesundheit so bedeutsam?  Und welches Potenzial steckt in einer frühzeitigen und konsequenten Folsäuresupplementierung gemäß den Empfehlungen?

PD Dr. Anke Rißmann: Neuralrohrdefekte gehören zu den schwersten angeborenen Fehlbildungen des zentralen Nervensystems. Sie können zu schweren Behinderungen oder sogar zum Tod führen. Die Daten aus dem Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt zeigen seit Jahren eine nahezu unveränderte Häufigkeit von etwa 1 Fall pro 1.000 Schwangerschaften. Jährlich sind in Deutschland mehrere hundert Kinder betroffen, hinzu kommen Schwangerschaftsabbrüche nach pränataler Diagnose. Gleichzeitig ist das Präventionspotenzial enorm: Eine konsequente Einnahme von 400 Mikrogramm Folsäure bereits 4 Wochen vor der Schwangerschaft kann das Risiko um bis zu 70 Prozent senken.

Neuralrohrdefekte entstehen sehr früh in der Schwangerschaft. Welche Konsequenzen hat dieser frühe Zeitpunkt für die Prävention – und warum ist eine gute Folatversorgung, auf Basis einer folatreicher Ernährung plus frühzeitiger Supplementierung, bereits vor der Schwangerschaft so entscheidend?

PD Dr. Anke Rißmann: Das Neuralrohr schließt sich sehr früh, am 28. Tag der Schwangerschaft, da hat die Frau die Schwangerschaft oft überhaupt noch nicht bemerkt. Deshalb muss die ausreichende Folatversorgung bereits vor der Befruchtung gesichert sein. Eine folatreiche Ernährung, unter anderem mit grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Jodsalz mit Folsäure, reicht dafür meist nicht aus, da die Bioverfügbarkeit von natürlichem Folat deutlich geringer als von Folsäure ist. Die Folsäure-Supplementierung wirkt hier wie ein Sicherheitsnetz und stellt eine stabile und ausreichende Versorgung sicher.

Viele Frauen haben schon von Folsäure gehört – dennoch beginnen viele erst mit der Einnahme, wenn sie bereits schwanger sind. Wie erleben Sie dieses Thema im Praxisalltag?

Dr. Frank Thieme: Das Wissen über Folsäure ist grundsätzlich vorhanden. Dennoch sehen wir, dass viele Frauen erst mit der Einnahme beginnen, wenn sie bereits schwanger sind. Ein wesentlicher Grund sind ungeplante Schwangerschaften, aber auch Unterschiede in Gesundheitskompetenz und im eigenen Informationsverhalten spielen eine Rolle. Im Praxisalltag stellt sich oft die Frage, wann das Thema angesprochen werden sollte. Idealerweise immer dann, wenn Frauen im gebärfähigen Alter sind und nicht erst, wenn ein konkreter Kinderwunsch geäußert wird.

Sind die aktuellen Empfehlungen zur Folsäure-Supplementierung aus Ihrer Sicht klar genug – oder braucht Prävention einfachere, eingängigere Botschaften, die bei den Frauen besser hängen bleiben?

PD Dr. Anke Rißmann: Die offiziellen Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften wie der Deutsche Gesellschaft für Ernährung sind inhaltlich präzise: 400 µg Folsäure täglich, beginnend 4 Wochen vor der geplanten Schwangerschaft, bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche. Das Problem liegt weniger im Inhalt als in der Verständlichkeit. Viele Frauen erkennen nicht, warum der frühe Beginn so wichtig ist. Prägnante Botschaften könnten helfen, das besser zu vermitteln, so wie „Pille ab, Folsäure an“?
Dr. Frank Thieme: Viele präventive Maßnahmen scheitern nicht am Wissen, sondern daran, dass sie im entscheidenden Moment nicht präsent sind. Eine Botschaft wie „Folsäure wirkt, bevor du schwanger bist“ kann hier deutlich verhaltenswirksamer sein.

In der repräsentativen Umfrage des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov* gaben nur 5 % der befragten Frauen an, dass die Kosten der Supplemente für sie eine Rolle spielen. Welche Faktoren sind aus Ihrer Sicht entscheidender für eine gute Adhärenz?

Dr. Frank Thieme: Das deckt sich mit den Erfahrungen im Praxisalltag. Entscheidend sind vielmehr Faktoren wie der richtige Zeitpunkt, das Verständnis für die Bedeutung der Einnahme und die Integration in den Alltag. Auch die Qualität der ärztlichen Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Kurz gesagt: Nicht der Preis ist das Problem, sondern Timing und Umsetzung.

Wenn Sie zum Internationalen Tag der Frauengesundheit eine zentrale Botschaft formulieren müssten – wie würde sie lauten?

PD Dr. Anke Rißmann: Prävention beginnt nicht erst mit der Schwangerschaft, sondern mit der Gesundheit jeder Frau im gebärfähigen Alter. Folsäure ist kein „nice-to-have“, sondern eine grundlegende Voraussetzung für die gesunde Entwicklung des ungeborenen Kindes.
Dr. Frank Thieme: Folsäure schützt das Kind, bevor eine Schwangerschaft überhaupt bemerkt wird. Deshalb gilt: Bei Kinderwunsch jetzt beginnen – nicht erst später.

BfR-Mitteilung: „Folsäure und Co.: Müssen Schwangere ihre Nahrung ergänzen?“

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat eine neue Mitteilung zur Mikronährstoffversorgung in der Schwangerschaft veröffentlicht. Darin wird dargestellt, bei welchen Vitaminen und Mineralstoffen der Bedarf erhöht ist und in welchen Fällen eine Supplementierung empfohlen wird.

Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung von Folsäure: Frauen mit Kinderwunsch sowie im ersten Schwangerschaftsdrittel sollten zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich 400 µg Folsäure einnehmen, um das Risiko für Neuralrohrdefekte beim Kind zu reduzieren.

Die vollständige Mitteilung sowie weiterführende Informationen sind auf dem Informationsportal mikroco-wissen.de abrufbar:

👉 Zur BfR-Mitteilung: https://www.bfr.bund.de/mitteilung/folsaeure-und-co-muessen-schwangere-ihre-nahrung-ergaenzen/
👉 Zum Informationsportal mikroco-wissen.de: https://www.mikroco-wissen.de/allgemeine-informationen/nahrungsergaenzungsmittel-brauche-ich-so-etwas/mikronaehrstoffbedarf-in-der-schwangerschaft/