Die frühzeitige Folsäureeinnahme bleibt weiterhin unverzichtbar
Frankfurt am Main, 08.07.2025 – 72 Prozent der Frauen im Alter von 16 bis 45 Jahren geben an, dass ihre letzte Schwangerschaft geplant war. Das zeigt eine repräsentative Verbraucherumfrage* des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut YouGov. „Noch vor etwa zehn Jahren lag der Anteil bei rund 50 Prozent“, erklärt Dr. Frank Thieme, Gynäkologe und Mitglied im Arbeitskreis. „Dass nun mehr Frauen ihre Schwangerschaften planen, bietet die Chance, die Frauen nochmals gezielt über die Bedeutung der Folatversorgung aufzuklären.“ Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Zahlen aber auch: Fast jede fünfte Schwangerschaft (17 %) tritt ungeplant ein. Präventionsmaßnahmen und Informationen müssten deshalb alle Frauen erreichen – unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft geplant sei oder nicht, so Dr. Thieme weiter und betont: Dies gelte auch für die ausreichende Folatversorgung. Deren Basis bildet eine folatreiche Ernährung – etwa mit grünem Blattgemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten sowie Speisesalz mit Folsäure. Zusätzlich empfehlen der Arbeitskreis und Fachgesellschaften frühzeitig vor Schwangerschaftseintritt, mit der täglichen Einnahme von mindestens 400 Mikrogramm Folsäure zu beginnen, um das Risiko für angeborene Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekte zu senken.
Das „Mehr“ an geplanten Schwangerschaften zeigt sich besonders bei Frauen mit zwei Kindern: In dieser Gruppe geben 77 Prozent der befragten Frauen an, dass ihre letzte Schwangerschaft geplant war. „Wenn eine Schwangerschaft geplant ist, informieren sich die Frauen im Vorfeld meist sehr intensiv und sind empfänglicher für Empfehlungen, die ihre Gesundheit und die ihres Kindes betreffen“, sagt Dr. Thieme. „Dennoch bleibt die frühzeitige und möglichst breite Aufklärung zur Folatversorgung essenziell. Denn viele angeborene Fehlbildungen wie Neuralrohrdefekte entstehen bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft, bevor diese überhaupt bekannt ist.“ Aus dem Neuralrohr entwickeln sich im weiteren Verlauf das Rückenmark und das Gehirn. Fehlbildungen, wie die Spina Bifida, können lebenslange gesundheitliche Beeinträchtigungen und Behinderungen zur Folge haben.
Prävention ist nicht nur Frauensache
Noch immer ist rund 1 von 1.000 Schwangerschaften von einem Neuraldefekt betroffen.** Eine bedarfsgerechte Folatversorgung kann das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken und mindestens 50 Prozent der Fälle verhindern.*** „Alle Frauen, die schwanger werden wollen oder es könnten, sollten zusätzlich zur folatreichen Ernährung frühzeitig Folsäure in Tablettenform supplementieren, am besten drei Monate vor der Schwangerschaft“, betont Dr. Thieme und appelliert: „Prävention funktioniert nur, wenn sie rechtzeitig beginnt. Das ist nicht allein Aufgabe der Frauen, sondern eine Verantwortung ihres Umfelds und der ganzen Gesellschaft, von der schulischen Bildung über die ärztliche Beratung bis hin zur Politik.“
* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 20. und 28.03.2025 insgesamt 797 Frauen befragt.
** Fehlbildungsmonitoring Sachsen-Anhalt: Jahresbericht 2023. http://www.angeborene-fehlbildungen.com/monz_mm/Dokumente/Jahresberichte/Bericht2023_WEB.pdf (Letzter Zugriff 01.07.2025)
*** Obeid et al.: Folate status and health: challenges and opportunities. J. Perinat. Med., 2016
