Nur die Hälfte der Schwangeren nimmt Folsäure und Jod gemäß den Empfehlungen

Frau mit Neugeborenem

Studie zeigt klaren Informationsbedarf bei Frauen im gebärfähigen Alter und während der Schwangerschaft auf

Frankfurt, 13.10.2020 – Viele werdende Mütter zeigen noch Wissenslücken hinsichtlich ihres Folsäure- und Jodbedarfs auf. Zu diesem Ergebnisse kommt die aktuelle Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland (SuSe II)*. Demnach greifen Frauen häufig zu spät oder gar nicht zu den empfohlenen Nahrungsergänzungsmitteln. Zwar nahmen in der Studie 81,7 Prozent der 966 befragten Frauen in der Schwangerschaft ein Folsäurepräparat ein, allerdings weniger als die Hälfte (45,4 Prozent) tat dies, wie empfohlen, bereits vor Beginn der Schwangerschaft. Neben Folsäure sollten Schwangere aufgrund des erhöhten Bedarfs auch frühzeitig Jod supplementieren, was lediglich die Hälfte der Studienteilnehmerinnen umsetzte.[1],[2] „Der Bedarf an den meisten Vitaminen und Mineralstoffen nimmt erst ab dem vierten Schwangerschaftsmonat zu und lässt sich durch eine ausgewogene Lebensmittelauswahl gewährleisten. Aber Folsäure und Jod bilden eine Ausnahme“, sagt der Gynäkologe Dr. Klaus Doubek. „Ihr Bedarf ist quasi ab der Empfängnis erhöht und sollte neben der Ernährung über die zusätzliche Einnahme von entsprechenden Nahrungsergänzungsmitteln gedeckt werden“, so das Beiratsmitglied der beiden Arbeitskreise Folsäure & Gesundheit** sowie Jodmangel e.V.*** weiter. Eine frühzeitige Aufklärung und Beratung von Frauen im gebärfähigen Alter, mit Kinderwunsch und mit Beginn der Schwangerschaft zur bedarfsgerechten Vitamin- und Mineralstoffversorgung ist somit unerlässlich – idealerweise erfolgen derartige Gespräche bereits im Rahmen der regelmäßigen Vorsorge.

Folsäure – schon ab Kinderwunsch!

„Folsäure und die natürlichen Folate gehören zu den wasserlöslichen B-Vitaminen und spielen unter anderem eine wichtige Rolle bei Zellteilungs- und Wachstumsprozessen. Eine Unterversorgung in den ersten Schwangerschaftswochen kann zu erheblichen Komplikationen wie einem Neuralrohrdefekt, also dem sogenannten offenen Rücken, oder auch Früh- und Fehlgeburten führen“, erklärt Doubek. „Eine gute Folsäureversorgung könnte viele Neuralrohrdefekte verhindern. Doch 95 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland weisen einen zu niedrigen Versorgungsstatus auf, wenn man die von der Weltgesundheitsorganisation, WHO, vor und in Schwangerschaften empfohlene, präventiv wirksame Folatkonzentration in den roten Blutkörperchen von 400 Mikrogramm pro Liter zugrunde legt.“ Aus diesem Grund sollten alle Frauen, die schwanger werden wollen, neben einer folatreichen Ernährung mit beispielsweise grünem Blattgemüse, Vollkornprodukten, Eiern, Milchprodukten und auch mit Folsäure angereichertem Jodsalz zusätzlich 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen – und das mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft und während der ersten drei Schwangerschaftsmonate. Wenn mit der Supplementation erst kurz vor oder bei Schwangerschaftsbeginn begonnen wird, raten Experten zur Einnahme von 800 Mikrogramm am Tag.[3] Unabhängig davon empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) über die gesamte Schwangerschaft eine Folatzufuhr von 550 Mikrogramm am Tag.[4]

Jod – entscheidend für die körperliche und geistige Entwicklung

Das Spurenelement ist ein zentraler Bestandteil der Schilddrüsenhormone und essentiell für die körperliche und geistige Entwicklung des ungeborenen Kindes. „Bereits ein leichter Jodmangel kann zu einer verzögerten Entwicklung des Gehirns führen und den Intelligenzquotienten beeinträchtigen. Darüber hinaus sind Wachstumsverzögerungen, Hördefekte oder psycho- und feinmotorische Störungen mögliche Folgen. Aber gerade Frauen im gebärfähigen Alter erreichen meist weder die Zufuhrempfehlung von 200 Mikrogramm Jod am Tag für Erwachsene, noch die von 230 Mikrogramm Jod am Tag für Schwangere“, warnt Doubek. Dies zeigen bereits die Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland, kurz DEGS, des Robert Koch-Instituts. Danach liegt die geschätzte durchschnittliche Jodzufuhr bei Frauen unter 30 Jahren mit 98 Mikrogramm am Tag deutlich unterhalb der Empfehlung. Auch die Frauen im Alter von 30 bis 39 Jahren kommen in der Studie lediglich auf 114 Mikrogramm Jod am Tag und die im Alter von 40 bis 49 Jahren auf 129 Mikrogramm Jod am Tag.[5] „Insbesondere jüngere Frauen sollten daher auf eine jodreiche Ernährung mit Seefisch, Meeresfrüchten, Milch- und Milchprodukten, Eiern sowie Jodsalz und damit hergestellten Produkten achten“, empfiehlt Doubek. „Damit eine ausreichende Jodversorgung während der Schwangerschaft gewährleistet ist, sollte zusätzlich ein Nahrungsergänzungsmittel mit 150 Mikrogramm Jod am Tag eingenommen werden. Dies gilt umso mehr, je größer der Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln in der Ernährung ist.“ Die Empfehlung gilt für alle werdenden und stillenden Mütter, um Schilddrüsenfunktionseinbußen beim Fetus beziehungsweise Säugling zu vermeiden und eine optimale Entwicklung zu fördern.[6]

Weitere Informationen zu den Themen Folsäure und Jod finden Sie unter https://www.ak-folsaeure.de/ und https://jodmangel.de/

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*Die SuSe II-Studie ist von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Vorabveröffentlichung zum 14. DGE-Ernährungsbericht erschienen, welchen die Fachgesellschaft alle vier Jahre im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erstellt.

**Der Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit wurde 2002 gegründet. Darin zusammengeschlossen sind Fachgesellschaften, Verbände und Folsäure-Experten von Universitäten. Ziel ist es, das präventive Potenzial von Folsäure stärker bekannt zu machen und eine bessere Folsäureversorgung in Deutschland zu erreichen.

***Der Arbeitskreis Jodmangel e.V. (AKJ) setzt sich seit 1984 mit seinem interdisziplinären, wissenschaftlichen Beirat für die Bekämpfung des Jodmangels und eine bessere Jodversorgung in Deutschland sowie eine intensive Aufklärungsarbeit und ein stärkeres Bewusstsein für die Schilddrüsengesundheit ein


Quellen:

[1]Kersting M., Hochkamp N., Burak C. et al. (2020) Studie zur Erhebung von Daten zum Stillen und zur Säuglingsernährung in Deutschland – SuSe II. IN: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 14. DGE-Ernährungsbericht. Vorveröffentlichung Kapitel 3, Bonn V1 – V34

[2]DGE-Pressemitteilung: „Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln in der Schwangerschaft – Still-Studie SuSE II zeigt Informationsbedarf auf, Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 22.09.2020

[3]Koletzko B, Cremer M, Flothkötter M et al. (2018) Ernährung und Lebensstil vor und während der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des bundesweiten Netzwerks Gesund ins Leben. Geburtsh Frauenheilk, Georg Thieme Verlag

[4]Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): Jod. In: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Bonn, 2.Auflage, 4. Aktualisierte Ausgabe (2018)

[5]Johner S.A. et al. (2016) Examination of iodine status in the German population: an example for methodological pitfalls of the current approach of iodine status assessment. Eur J Nutr, 55(3):1275-82. doi: 10.1007/s00394-015-0941-y

[6]Alexander E.K., Pearce E.N., Brent G.A. et al. (2017) 2017 Guidelines of the American Thyroid Association for the Diagnosis and Management of Thyroid Disease During Pregnancy and the Postpartum. Thyorid, Vol.27(3):315-389

Herausgeber:

Arbeitskreis Jodmangel e.V.
Vorsitzender: Prof. Dr. Roland Gärtner
Amtsgericht Frankfurt, VR 15167

Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit
Sprecher Dr. Burkhard Lawrenz

Pressekontakt:

Arbeitskreis Jodmangel e.V.

Organisationsstelle
Daniel Schwind, Dirk Fischer
Leimenrode 29
D-60322 Frankfurt/Main
T: +49 (0)69 – 2470 6796
F: +49 (0)69 / 7076 8753
ak@jodmangel.de
www.jodmangel.de

Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit

Organisationsstelle
Lars Bruhn, Dr. Anna Müllner
Leimenrode 29
60322 Frankfurt am Main
Telefon: 069/2470 6950
Telefax: 069/7076 8753
info@ak-folsaeure.de,
www.ak-folsaeure.de

Familienplanung: Gute mütterliche Folatversorgung könnte Autismus-Risiko beim Nachwuchs senken

Schwangere Frau

Schwangerschaftsvorsorge und das Vitamin Folsäure/Folat gehören zusammen: Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, könnte eine gute Folatversorgung möglicherweise auch das Risiko für Autismus beim Nachwuchs senken.

Schwangerschaftsvorsorge und das Vitamin Folsäure/Folat* gehören zusammen: Frühzeitig eingenommen, schützt es das Ungeborene im Mutterleib vor schwerwiegenden Fehlbildungen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen [1,2] zeigen, könnte eine gute Folatversorgung möglicherweise auch das Risiko für Autismus beim Nachwuchs senken, so der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). Bei dieser Behinderung weichen beispielsweise die sozialen Interaktionen von der Norm ab. „Die neueren Autismus-Studien liefern interessante Hinweise für einen weiteren Nutzen von Folsäure/Folat für die gesunde Kindesentwicklung. Ziel weiterer Forschung ist es jetzt, die genauen Zusammenhänge aufzudecken und die Effekte zu bestätigen“, sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit.

„Die jüngsten Hinweise sprechen erneut dafür, dass Frauen schon vor der Schwangerschaft an ihren Folatstatus denken sollten“, erinnert Koletzko. „Idealerweise sollte ab Kinderwunsch täglich ein Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure eingenommen werden.“ Zusätzlich sei es generell ratsam, auf eine folatreiche Ernährung zu achten. Dazu gehöre, viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte zu verzehren. Da die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant eintritt und in diesen Fällen die Folsäure-Präparate zu spät eingenommen werden, sollten generell im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel, etwa bestimmte Speisesalze, genutzt werden.

Autismus und Folat – derzeitige Erkenntnisse

Dass ein guter mütterlicher Folatstatus vor Autismus schützt, wäre einem Autorenteam um die Epidemiologin Elizabeth A. DeVilbiss, Philadelphia, zufolge biologisch plausibel: [1] Denn das B-Vitamin ist unter anderem wichtig für die Bildung der menschlichen Erbinformation DNA und damit für alle Entwicklungs- und Wachstumsprozesse. Autismus tritt vermutlich als Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns auf. Die Wissenschaftler überprüften ihre Annahme anhand einer systematischen Auswertung elf epidemiologischer Studien zur Verbreitung von Autismus in der Bevölkerung. Die größte Untersuchung dabei war die Norwegian Mother and Child Cohort Study. [2] Sie berücksichtigte Daten von etwa 85.000 Kindern, die zwischen 2002 und 2008 geboren wurden. Diejenigen Kinder, deren Mütter rund um den Zeitpunkt der Empfängnis Folsäure supplementiert hatten (mindestens 400 Mikrogramm täglich), wiesen ein um etwa 40 Prozent geringeres Autismus-Risiko auf als Kinder von Müttern ohne spezielle Folsäure-Aufnahme. Entscheidend war dabei der frühe Start der Einnahme. Hatten die Frauen mit der Folsäure-Prophylaxe erst nach der achten Schwangerschaftswoche begonnen, wirkte sich dies nicht mehr positiv auf das Autismus-Risiko des Kindes aus. [2]

Insgesamt waren die Ergebnisse der Literaturauswertung von DeVilbiss und Kollegen jedoch nicht eindeutig. Die Autoren regen weitere Forschungen an, um die Präventionsmöglichkeiten von Folsäure mit Blick auf Autismus näher zu bestimmen. Wie sie schreiben, stieg die Prävalenz von Autismus in den USA von 5:10.000 in den 1980er Jahren auf 1:68 Kinder im Jahr 2010 an. Die Erkrankung geht mit einer erheblichen Belastung für die Betroffenen und ihre Familien einher. [1]

Autismus: Komplexe Entwicklungsstörungen

Der Begriff Autismus oder auch Autismus-Spektrum-Störung umfasst verschiedene komplexe Entwicklungsstörungen wie den frühkindlichen Autismus oder Autismus Asperger. Charakteristisch ist, dass Betroffene sich nur schlecht verständlich machen können, Probleme bei sozialen Interaktionen haben oder stereotype, sich wiederholende Verhaltensmuster zeigen. Autismus ist ursächlich nicht heilbar. Zur Häufigkeit gibt es für Deutschland keine genauen Angaben. In den USA stiegen die Fallzahlen in den letzten Jahren deutlich an. Ein Grund mag die immer bessere Diagnose sein: Autismus ist als Erkrankung bekannter als noch in früheren Jahren und wird frühzeitiger und häufiger festgestellt. Jedoch können für den Anstieg auch genetische Ursachen sowie Umgebungsfaktoren, vor allem die Ernährung, eine Rolle spielen. [1,3]

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)DeVilbiss EA et al. (2015): Maternal folate status as a risk factor for autism spectrum disorders: a review of existing evidence. Br J Nutr. Sep 14;114(5):663-72.
2)Suren P et al. (2013): Association Between Maternal Use of Folic Acid Supplements and Risk of Autism Spectrum Disorders in Children. JAMA, 309:570-577
3)Autismus Deutschland e.V.: Was ist Autismus? (siehe http://www.autismus.de/was-ist-autismus.html, abgerufen am 15.04.2016)

30. Juni 2016

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Sommerzeit ist Beerenzeit: Gesund und folatreich naschen

Waldbeeren

Nach den Erdbeeren, die in der Frühlingssonne bereits seit Mai reifen, zeigen jetzt die fast schwarzen Früchte der Brombeere: Es ist Sommer! Seit Juli sind die aromatischen Leckerbissen aus heimischem Anbau erhältlich.

Nach den Erdbeeren, die in der Frühlingssonne bereits seit Mai reifen, zeigen jetzt die fast schwarzen Früchte der Brombeere: Es ist Sommer! Seit Juli sind die aromatischen Leckerbissen aus heimischem Anbau erhältlich. Sie überzeugen nicht nur als schmackhafte Zutat für die leichte Sommerküche, sondern sind auch äußerst gesund. „Neben viel Vitamin A und C steckt in den süßen Früchten reichlich Folat – ein B-Vitamin, das unser Körper benötigt, um neue Zellen zu bilden und das außerdem die Blutgefäße schützen kann“, sagt Prof. Dr. Jürgen Stein, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). Die Beeren seien somit genau die richtige Wahl für alle, die fit und gesund durch die warme Jahreszeit kommen wollten.

Brombeere – vielseitig und lecker

Dass die Brombeere, die zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört, ein besonderes Plus für die Gesundheit bieten, wussten bereits die alten Griechen und schätzten sie als Heilmittel. Heutzutage ist die Pflanze in gemäßigten Zonen weltweit verbreitet und z.B. auch in deutschen Gärten als Obstlieferant für die ganze Familie beliebt. Die süß-säuerlichen Früchtchen eignen sich bestens für eine leichte Erfrischung an heißen Sommertagen – ob pur, als Smoothie oder in Fruchtsalat und Müsli. Durch ihre dunklen Pflanzenfarbstoffe, sogenannte Anthocyane, verleihen Brombeeren Joghurt oder Quark außerdem eine interessante bläuliche Färbung. Und natürlich schmecken sie hervorragend als Marmelade oder Kompott.[1,2]

Süßes Beerenobst – folatreich, aber empfindlich

Die Beeren sind nicht nur vielfältig einsetzbar, sondern spielen – ebenso wie Erdbeeren, Kirschen oder Apfelsinen [3] – auch in Sachen Folat in der oberen Liga: In 100 Gramm des dunklen Beerenobstes stecken etwa 34 Mikrogramm von dem lebenswichtigen B-Vitamin, das unser Körper für alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse benötigt. Brombeeren enthalten damit zwar weniger Folat als manches Gemüse (wie folatreicher Grünkohl mit 187 Mikrogramm pro 100 Gramm). Jedoch haben sie einen entscheidenden Vorteil, wie Stein erklärt: „Brombeeren – genauso wie andere Obstsorten – werden und sollten möglichst oft ungekocht verzehrt werden. Dieser Griff zur Rohkost lohnt sich, denn schließlich ist Hitze ein wesentlicher Gegner des empfindlichen Folats.“ Damit die Brombeeren nicht nur vitaminreich, sondern auch ansehnlich auf den Teller kommen, sollten Verbraucher beim Kauf pralle und knackige Exemplare bevorzugen. Vor dem Verzehr lediglich unter einem schwachen Wasserstrahl abbrausen. Auch eine längere Lagerung ist nicht empfehlenswert – maximal ein bis zwei Tage im Kühlschrank. Aber: Wer mit vollen Körben von der sommerlichen Brombeer-Ernte nach Hause zurückkehrt, kann getrost Platz in der Gefriertruhe schaffen. Die Früchtchen lassen sich gut einfrieren – so bleiben die Vitamine erhalten für kältere Tage.

Tipps für bessere Folatversorgung

Brombeeren als folatreiche Früchte können dem Ernährungsexperten Stein zufolge dabei helfen, den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tageswert für Folat [4] zu erreichen (Erwachsene: 300 Mikrogramm, Schwangere bzw. Stillende: 550 bzw. 450 Mikrogramm). „Generell sollten Verbraucher für eine ausreichende Folatversorgung möglichst häufig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf den Speiseplan setzen. Aber auch wenn dieses Wissen bei vielen Deutschen vorhanden ist, gelingt die praktische Umsetzung im Alltag oft nicht“, erklärt Stein. So nehme die Hälfte weniger als 200 Mikrogramm Folat pro Tag zu sich.[5] Daher empfehle der Arbeitskreis, neben einer gesunden folatreichen Ernährung im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel (wie Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken) zu verwenden. Wichtig für eine zuverlässige Versorgung sei, dass diese Lebensmittel regelmäßig und in möglichst gleichbleibenden Mengen verzehrt werden.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Apotheken-umschau.de: Brombeere: Beerenstarker Genuss (abgerufen am 25.05.2015)
2)Food-monitor.de: Beerenfrüchte – das Leckerste am Sommer (abgerufen am 28.05.2015)
3)Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit: Folatvorkommen in verschiedenen Lebensmitteln (siehe: https://www.ak-folsaeure.de/bauteile/texte/akf_tabelle_folatvorkommen.pdf)
4)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf
5)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

30. Juni 2016

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