Frauen im gebärfähigen Alter fehlt es an Folat – größeres Wissen über gute Versorgung und Nutzen nötig

Strukturformel Folsäure

Das B-Vitamin Folat, auch als Folsäure* bekannt, spielt eine wichtige Rolle, wann immer sich Zellen im menschlichen Körper neu bilden. Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter ist deshalb eine gute Versorgung mit dem Vitamin wichtig: Denn dadurch können im Falle einer Schwangerschaft schwere Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, beim Embryo vermieden werden. Doch gerade bei jüngeren Frauen gibt es hierzulande eine generelle Unterversorgung mit Folat, wie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland erneut gezeigt hat.

Das B-Vitamin Folat, auch als Folsäure* bekannt, spielt eine wichtige Rolle, wann immer sich Zellen im menschlichen Körper neu bilden. Besonders für Frauen im gebärfähigen Alter ist deshalb eine gute Versorgung mit dem Vitamin wichtig: Denn dadurch können im Falle einer Schwangerschaft schwere Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, beim Embryo vermieden werden. Doch gerade bei jüngeren Frauen gibt es hierzulande eine generelle Unterversorgung mit Folat, wie die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) erneut gezeigt hat: Demnach nahmen rund 95 Prozent der untersuchten 18 bis 49-jährigen Frauen für den Fall, dass sie schwanger werden, zu wenig Folat zu sich (1, 2).

„Leider ist vielen Frauen, die schwanger werden wollen oder können, noch immer nicht genügend bewusst, wie wichtig eine gute Folatversorgung ist – und wie diese erreicht werden kann“, sagt Professor Berthold Koletzko, LMU-Universität München. Eine gesunde Ernährung allein reiche dafür erfahrungsgemäß meist nicht aus. Zusätzlich notwendig, so der Sprecher des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit (AK Folsäure), sei die Einnahme von Folsäure-Präparaten. Auch sollten mit Folsäure angereicherte Nahrungsmittel, in Deutschland etwa bestimmte Speisesalze oder Backwaren, verwendet werden. Mit jährlich bis zu 1.000 Fällen liegt die Zahl für Neuralrohrdefekte in Deutschland nach wie vor hoch (3). Wenigstens die Hälfte dieser Fehlbildungen ließe sich, so Koletzko, durch eine gute Folatversorgung einfach und wirksam vermeiden.

Folatstatus jüngerer Frauen mangelhaft

Für die DEGS1-Studie ermittelten Wissenschaftler repräsentativ für die erwachsene Bevölkerung unter anderem die Folatkonzentration in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Um Neuralrohrdefekte zu vermeiden empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Wert von mindestens 400 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Tatsächlich erreichten aber nur ganze 3 Prozent der 18 bis 29-jährigen Frauen und 4 Prozent der 30 bis 49-jährigen diesen Wert (1). „Damit ist der Folatstatus der allermeisten Frauen im reproduktionsfähigen Alter in Deutschland höchst kritisch“, so Koletzko. Zu einem ähnlichen Ergebnis war zuvor schon die Nationale Verzehrsstudie II gekommen: die tägliche Zufuhr an Folat bzw. Folsäure lag bei jüngeren Frauen durchschnittlich bei nur 200 Mikrogramm (1). Die Zufuhr lag damit deutlich unterhalb der 300 Mikrogramm, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung generell allen Erwachsenen empfiehlt und weit entfernt von den 550 bzw. 450 Mikrogramm, die Schwangere und Stillende zu sich nehmen sollten.

Zu den angeborenen Neuralrohrdefekten zählen die oft als „offener Rücken“ bezeichnete Spina bifida und die Anenzephalie, bei der das embryonale Gehirn nicht richtig ausgebildet wird. Einer der Gründe, warum solche Fehlbildungen in Deutschland und Europa schon seit Jahren unverändert häufig auftreten, ist der frühe Zeitpunkt des Neuralrohrschlusses: Dieser erfolgt bis zum 28. Tag einer Schwangerschaft, von der aber die Frauen dann noch gar nichts wissen. „Um für diese kritische Phase gerüstet zu sein empfehlen Experten, dass Frauen schon beginnend mit dem Kinderwunsch Präparate mit Folsäure zu sich nehmen“, betont Koletzko. Allerdings werde dieser Rat noch immer oft zu spät oder gar nicht umgesetzt. Hinzu komme der hohe Anteil von an die 50 Prozent ungeplanter Schwangerschaften, bei denen erst recht nicht an eine präventive Vorsorge mit Folsäure/Folat gedacht werde.

Empfehlungen für eine bessere Versorgung

Um ihre Bevölkerung und besonders jüngere Frauen besser mit dem B-Vitamin zu versorgen, reichern bereits rund 80 Länder weltweit bestimmte Grundnahrungsmittel generell mit Folsäure an – aber bisher noch kein Land in Europa. In den USA zum Beispiel betrifft diese Maßnahme seit 1998 ausgewählte Mehlsorten. Mit gutem Ergebnis: Seitdem werden dort Neuralrohrdefekte nur noch etwa halb so oft wie vor dem Start der Anreicherung beobachtet (4). In Deutschland können Verbraucher gezielt auf solche Nahrungsmittel achten, denen die Hersteller freiwillig Folsäure zugeben, wie etwa bestimmte Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken. Um ausreichend mit dem B-Vitamin versorgt zu sein, sollten auch möglichst häufig Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte auf dem Speiseplan stehen. Im Alltag ist die Umsetzung aber oft schwierig. Besonders wichtig ist es deshalb auch, dass schon Frauen mit Kinderwunsch täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure einnehmen. Werden diese Tipps beherzigt, so Koletzko, lasse sich gut ein gegenüber Neuralrohrdefekten präventiv wirksamer Folatspiegel aufbauen.

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016): Folat. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 13. Ernährungsbericht. Bonn, 47-51
2)Mensink GBM, Weißenborn A, Richter A (2016) Folatversorgung in Deutschland. Journal of Health Monitoring 1 (2):26-30 DOI 10.17886/RKI-GBE-2016-034.2
3)Obeid R, Oexle K, Rißmann A, Pietrzik K, Koletzko B. (2016): Folate status and health: challenges and opportunities. J Perinat Med. Apr 1;44(3):261-8. doi: 10.1515/jpm-2014-0346.
4)Obeid R, Pietrzik K, Oakley GP Jr, Kancherla V, Holzgreve W, Wieser S. (2015): Preventable Spina Bifida and Anencephaly in Europe. Birth Defects Research (Part A): Clinical and Molecular Teratology. 2015 Birth Defects Res A Clin Mol Teratol. Sep;103(9):763-71.

24. August 2017

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Sommerzeit ist Beerenzeit: Gesund und folatreich naschen

Waldbeeren

Nach den Erdbeeren, die in der Frühlingssonne bereits seit Mai reifen, zeigen jetzt die fast schwarzen Früchte der Brombeere: Es ist Sommer! Seit Juli sind die aromatischen Leckerbissen aus heimischem Anbau erhältlich.

Nach den Erdbeeren, die in der Frühlingssonne bereits seit Mai reifen, zeigen jetzt die fast schwarzen Früchte der Brombeere: Es ist Sommer! Seit Juli sind die aromatischen Leckerbissen aus heimischem Anbau erhältlich. Sie überzeugen nicht nur als schmackhafte Zutat für die leichte Sommerküche, sondern sind auch äußerst gesund. „Neben viel Vitamin A und C steckt in den süßen Früchten reichlich Folat – ein B-Vitamin, das unser Körper benötigt, um neue Zellen zu bilden und das außerdem die Blutgefäße schützen kann“, sagt Prof. Dr. Jürgen Stein, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). Die Beeren seien somit genau die richtige Wahl für alle, die fit und gesund durch die warme Jahreszeit kommen wollten.

Brombeere – vielseitig und lecker

Dass die Brombeere, die zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört, ein besonderes Plus für die Gesundheit bieten, wussten bereits die alten Griechen und schätzten sie als Heilmittel. Heutzutage ist die Pflanze in gemäßigten Zonen weltweit verbreitet und z.B. auch in deutschen Gärten als Obstlieferant für die ganze Familie beliebt. Die süß-säuerlichen Früchtchen eignen sich bestens für eine leichte Erfrischung an heißen Sommertagen – ob pur, als Smoothie oder in Fruchtsalat und Müsli. Durch ihre dunklen Pflanzenfarbstoffe, sogenannte Anthocyane, verleihen Brombeeren Joghurt oder Quark außerdem eine interessante bläuliche Färbung. Und natürlich schmecken sie hervorragend als Marmelade oder Kompott.[1,2]

Süßes Beerenobst – folatreich, aber empfindlich

Die Beeren sind nicht nur vielfältig einsetzbar, sondern spielen – ebenso wie Erdbeeren, Kirschen oder Apfelsinen [3] – auch in Sachen Folat in der oberen Liga: In 100 Gramm des dunklen Beerenobstes stecken etwa 34 Mikrogramm von dem lebenswichtigen B-Vitamin, das unser Körper für alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse benötigt. Brombeeren enthalten damit zwar weniger Folat als manches Gemüse (wie folatreicher Grünkohl mit 187 Mikrogramm pro 100 Gramm). Jedoch haben sie einen entscheidenden Vorteil, wie Stein erklärt: „Brombeeren – genauso wie andere Obstsorten – werden und sollten möglichst oft ungekocht verzehrt werden. Dieser Griff zur Rohkost lohnt sich, denn schließlich ist Hitze ein wesentlicher Gegner des empfindlichen Folats.“ Damit die Brombeeren nicht nur vitaminreich, sondern auch ansehnlich auf den Teller kommen, sollten Verbraucher beim Kauf pralle und knackige Exemplare bevorzugen. Vor dem Verzehr lediglich unter einem schwachen Wasserstrahl abbrausen. Auch eine längere Lagerung ist nicht empfehlenswert – maximal ein bis zwei Tage im Kühlschrank. Aber: Wer mit vollen Körben von der sommerlichen Brombeer-Ernte nach Hause zurückkehrt, kann getrost Platz in der Gefriertruhe schaffen. Die Früchtchen lassen sich gut einfrieren – so bleiben die Vitamine erhalten für kältere Tage.

Tipps für bessere Folatversorgung

Brombeeren als folatreiche Früchte können dem Ernährungsexperten Stein zufolge dabei helfen, den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tageswert für Folat [4] zu erreichen (Erwachsene: 300 Mikrogramm, Schwangere bzw. Stillende: 550 bzw. 450 Mikrogramm). „Generell sollten Verbraucher für eine ausreichende Folatversorgung möglichst häufig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf den Speiseplan setzen. Aber auch wenn dieses Wissen bei vielen Deutschen vorhanden ist, gelingt die praktische Umsetzung im Alltag oft nicht“, erklärt Stein. So nehme die Hälfte weniger als 200 Mikrogramm Folat pro Tag zu sich.[5] Daher empfehle der Arbeitskreis, neben einer gesunden folatreichen Ernährung im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel (wie Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken) zu verwenden. Wichtig für eine zuverlässige Versorgung sei, dass diese Lebensmittel regelmäßig und in möglichst gleichbleibenden Mengen verzehrt werden.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Apotheken-umschau.de: Brombeere: Beerenstarker Genuss (abgerufen am 25.05.2015)
2)Food-monitor.de: Beerenfrüchte – das Leckerste am Sommer (abgerufen am 28.05.2015)
3)Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit: Folatvorkommen in verschiedenen Lebensmitteln (siehe: https://www.ak-folsaeure.de/bauteile/texte/akf_tabelle_folatvorkommen.pdf)
4)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf
5)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

30. Juni 2016

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Nutzen bestätigt: Folsäure wirksam in der primären Prävention von Schlaganfall

Paar am Strand

Eine gute Versorgung mit Folsäure und Folat* nützt nicht nur Frauen rund um die Schwangerschaft, sondern beugt auch Schlaganfällen vor. Dies haben Forscher erneut bestätigt.

Eine gute Versorgung mit Folsäure und Folat* nützt nicht nur Frauen rund um die Schwangerschaft, sondern beugt auch Schlaganfällen vor. Dies haben Forscher erneut bestätigt: In einer großen Studie [1] senkte das Vitamin B9 bei Bluthochdruck-Patienten das Risiko für den sogenannten Hirninfarkt um mehr als 20 Prozent. Der schützende Effekt war dabei so signifikant, dass die Studie vorzeitig beendet wurde. „Dies unterstreicht, wie wichtig es ist, die Aufnahme von Folsäure bzw. Folat auch in Deutschland nachhaltig zu verbessern“, schlussfolgert Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de).

Schlaganfall ist hierzulande die dritthäufigste Todesursache.[2] Die Gefahr, an dieser plötzlich auftretenden Durchblutungsstörung des Gehirns zu erkranken, steigt beispielsweise durch einen ungesunden Lebensstil, Bluthochdruck oder einen hohen Spiegel an Homocystein im Blut. Dieses Stoffwechselprodukt steht im Verdacht, die Gefäße zu schädigen. Da Folsäure den Homocystein-Wert reduziert, wurde ihr Nutzen für die Schlaganfall-Prävention schon vielfach diskutiert. So ergab im Jahr 2012 beispielsweise eine große Meta-Analyse, dass B-Vitamine wie Folsäure, B6 und B12 das Risiko bei Menschen mit Gefäßerkrankungen signifikant um 12 Prozent senken können.[3] Jetzt wurde dieser Effekt von Forschern um Dr. Yong Huo1 auch bei Personen ohne vorherige kardiovaskuläre Erkrankung bestätigt – und zwar mit Folsäure allein.

Studie belegt Schutz durch Folsäure-Supplementierung

An der groß angelegten sogenannten Primärpräventionsstudie nahmen 20.702 Probanden aus zwei chinesischen Provinzen teil. Die 45- bis 75-Jährigen hatten allesamt einen erhöhten Blutdruck, jedoch noch keinen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten. Es zeigte sich, dass bei denjenigen Studienteilnehmern, die einen Blutdrucksenker kombiniert mit 800 µg Folsäure pro Tag erhielten, um 21 Prozent seltener ein Schlaganfall auftrat als bei Probanden mit alleiniger Gabe des Blutdrucksenkers. Besonders effektiv – um 24 Prozent – konnte das Risiko für den sogenannten ischämischen Schlaganfall gesenkt werden. Dieser ist für etwa 80 Prozent aller Hirninfarkte verantwortlich und entsteht aufgrund von verschlossenen Blutgefäßen. Insgesamt profitierten die Teilnehmer von der Folsäure-Einnahme so eindeutig, dass die Wissenschaftler die Studie vorzeitig beendeten.

Weitreichende Konsequenzen für Schlaganfall-Prävention

Prof. Dr. Rima Obeid zufolge bestätigt die aktuelle Untersuchung nicht nur frühere Erkenntnisse zum präventiven Effekt von Folsäure, sondern bietet noch mehr. „Das Besondere ist, dass Dr. Huo und seine Kollegen erstmals die schützende Wirkung bei gesunden Menschen ohne Gefäßerkrankungen untersucht haben und dass erstmals nur das Vitamin Folsäure gegeben wurde. In allen anderen vergleichbaren Studien erhielten die Probanden eine Kombination aus Folsäure, Vitamin B12 und B6.“ Laut Obeid seien die Ergebnisse zudem auf europäische Verhältnisse übertragbar. Andere Kommentatoren der Studie wie Dr. Stampfer und Dr. Willet aus Boston [4] gehen davon aus, dass die Ergebnisse weitreichende Folgen für die globale Schlaganfall-Prävention haben werden. Und sie halten es für wahrscheinlich, dass sich der protektive Effekt von Folsäure auch auf Menschen ohne Bluthochdruck übertragen lässt. Im Zuge dessen fordern sie eine bessere Versorgung – über gezielte Supplementierung oder die Folsäure-Anreicherung von Lebensmitteln, wie dies z.B. die USA praktizieren.

So lässt sich die Versorgung verbessern

„Die amerikanischen Centres for Disease Control (CDC) gehen davon aus, dass in den USA die Folsäure-Anreicherung von Mehl jährlich schätzungsweise 50.000 kardiovaskuläre Todesfälle durch Schlaganfall und Herzinfarkt verhindert“, erklärt Koletzko. Auch hierzulande sei es notwendig, die Folatversorgung zu verbessern. Denn nach wie vor nähme die Hälfte aller Deutschen nur unzureichende Mengen des Vitamin B9 zu sich – nämlich statt der empfohlenen 300 weniger als 200 Mikrogramm täglich.[5,6] Der Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit rät deshalb allen Verbrauchern, auf eine gesunde Ernährung zu achten: „Viel Folat steckt in frischem Obst und Gemüse wie Blattsalaten, Spinat, Kohlgemüse, Tomaten oder Beerenfrüchten. Davon am besten fünf Portionen täglich essen.“ Außerdem sollten im Haushalt, wo bereits Angebote verfügbar sind, mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel verwendet werden (z.B. Speisesalze, Backmischungen oder Frühstücksflocken). Für Frauen mit Kinderwunsch gelte zudem, dass sie Folsäure-Tabletten (mit mindestens 400 Mikrogramm/Tag) aus der Apotheke einnehmen sollten.

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Quellen:

1)Huo Y et al. Efficacy of Folic Acid Therapy in Primary Prevention of Stroke Among Adults With Hypertension in China. JAMA. 2015 Mar 15. doi: 10.1001/jama.2015.2274
2)Heuschmann PU et al.: Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Akt Neurol 2010; 37:333-340
3)Huang T et al.: Meta-analysis of B vitamin supplementation on plasma homo-cysteine, cardiovascular and all-cause mortality. Clin Nutr 2012; 31(4): 448-454
4)Stampfer M, Willett W. Folate Supplements for Stroke Prevention: Targeted Trial Trumps the Rest. JAMA. 2015 Mar 15. doi: 10.1001/jama.2015.1961
5)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf
6)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

02. September 2015

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Am 3. März ist der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“: An Prävention mit Folsäure denken

Paar im Bett

Am 3. März 2015 findet weltweit der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“ (World Birth Defect Day) statt. Zu den Initiatoren gehört die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Am 3. März 2015 findet weltweit der erste „Tag angeborener Fehlbildungen“ (World Birth Defect Day) statt.1 Zu den Initiatoren gehört die Weltgesundheitsorganisation WHO. Ziel ist es, über die verschiedenen Formen angeborener Erkrankungen zu informieren und insbesondere die Prävention zu stärken. Anlässlich des Tages weist der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit auf die besondere Bedeutung des B-Vitamins Folsäure bzw. Folat hin. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind zum Beispiel bestmöglich vor sogenannten Neuralrohrdefekten zu schützen, erklärt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich. Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn es sich im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und 28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida („gespaltener Wirbel“) und Hydrocephalus (Hirnwasser staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert).2,3

Mit Folsäure und Folat vorsorgen

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“ Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.“

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Tipps für eine bessere Folatversorgung

Um besser mit Folsäure/Folat versorgt zu sein, helfen folgende Ratschläge des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit:

Bunte Vielfalt: Ideal sind fünf Portionen Obst und Gemüse täglich – am besten möglichst abwechslungsreich und farbenfroh wie Tomaten, Orangen oder Spinat. Auch Kohlgemüse und Hülsenfrüchte punkten als Top-Folat-Quellen.

Kalte Küche: Der Griff zu Rohkost lohnt sich. Werden Obst und Gemüse nicht gekocht und erst kurz vor dem Verzehr geschnitten, bleibt maximal viel Folat erhalten. Ins Kochwasser kann ein Großteil des B-Vitamins übergehen, deshalb lieber mit wenig Flüssigkeit kochen oder dämpfen bzw. dünsten. Außerdem langes Warmhalten vermeiden.

Kraft aus vollem Korn: Vollkorn schlägt Weißmehl mit einem bis zu 50 Prozent höherem Folatgehalt. Denn besonders viele Vitamine stecken in Schale und Keimling des Korns, die bei der Herstellung von Weißmehl entfernt werden.

Wenn lagern, dann richtig: Obst und Gemüse am besten frisch genießen, da Folat eine licht- und luftscheue Mimose ist. Wer auf Vorrat kauft, sollte ausreichend Platz im Kühlschrank schaffen. Eine gute Alternative, wenn`s schnell gehen muss: Tiefkühlware (wird erntefrisch eingefroren und die Vitamine bleiben erhalten).

Lebensmittel plus: Mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel (zum Beispiel Speisesalze mit Folsäure) können eine gesunde Ernährung ergänzen und helfen, den empfohlenen Tageswert für Folsäure/Folat zu erreichen. Auch beim Kochen und Backen bleibt die zugesetzte Folsäure weitgehend erhalten.

Supplemente zur Schwangerschaftsvorsorge: Frauen mit Kinderwunsch wird zum Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder von der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe geraten, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einzunehmen – wenigstens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Siehe zu den Initiatoren und Zielen: http://www.ifglobal.org/en/home/2-uncategorised/4680-the-first-world-birth-defects-day-is-approaching, abgerufen am 23.02.2015<
2)Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.: Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 23.02.2014)
3)Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.: Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 23.02.2014)
4)B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

24. Februar 2015

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Die meisten Kinder werden im Dezember gezeugt: Jetzt mit Folsäure/Folat vorsorgen und Fehlbildungen verhindern

Paar im Bett

Ganz wichtig für alle, die Nachwuchs planen: Bereits vor der Schwangerschaft sollten Frauen ausreichend Folat bzw. Folsäure über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel und Supplemente zu sich nehmen.

In der kalten Jahreszeit knistert und lodert nicht nur das Feuer im Kamin. Für viele Paare bleibt das kuschelige Zusammensein im Winter nicht ohne Folgen. Denn zum Jahresende hin werden traditionell viele Kinder gezeugt.1 Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung2 ergaben, dass der September der Monat ist, in dem die meisten Kinder zur Welt kommen, nämlich neun Prozent aller Lebendgeborenen. Im Umkehrschluss heißt das: Frauen werden am häufigsten im Dezember schwanger. Ganz wichtig für alle, die Nachwuchs planen: „Bereits vor der Schwangerschaft sollten Frauen ausreichend Folat bzw. Folsäure* über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel und zusätzlich in Form von Supplementen zu sich nehmen. So lassen sich schwere kindliche Fehlbildungen verhindern“, sagt Prof. Dr. Rima Obeid, stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de).

Folsäure – das Schwangerschaftsvitamin
„Seit mehr als 20 Jahren ist bekannt, dass eine gute Folatversorgung das ungeborene Kind vor Neuralrohrdefekten wie Spina bifida schützen kann“, erklärt Obeid. Doch noch immer seien davon in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 700 bis 1.000 Schwangerschaften betroffen. Darüber hinaus werde vermutet, dass das B-Vitamin bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Fehlbildungen des kindlichen Herzens ebenfalls einen protektiven Effekt habe. Was alle Frauen mit Kinderwunsch wissen sollten: Bereits zu Beginn der Schwangerschaft muss ein ausreichend hoher Folatspiegel im Blut (sogenannter Serumfolatspiegel) aufgebaut worden sein, da sich schon in den ersten Schwangerschaftswochen Organe und Körpersysteme des Embryos beginnen auszubilden. Das Problem laut Obeid: „Anstatt wie empfohlen schon ab Kinderwunsch starten viele Frauen mit der Einnahme von Folsäure erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind.“

Empfehlung: Frühzeitige Folsäure-Prophylaxe
Wer eine Schwangerschaft plant, sollte an Folsäure denken: „Generell sollten alle Frauen bereits ab Kinderwunsch täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einnehmen, wenigstens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels“, rät Obeid. Es könne zudem nützlich sein, die Supplementation während der Stillzeit fortzuführen. Denn die Mutter gebe beim Stillen viel Folat an den Säugling weiter – für rasches Wachstum und vermehrte Zellteilung. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Verbrauchern, täglich 300 Mikrogramm Folat zu sich zu nehmen. In der Schwangerschaft und der Stillzeit liegen die Tageswerte mit 550 bzw. 450 Mikrogramm noch einmal deutlich darüber.3 Zum Vergleich: 300 Mikrogramm stecken zum Beispiel etwa in sieben Orangen à 180 Gramm oder 1,4 Kilogramm Tomaten. Über die tägliche Ernährung sind die meisten Deutschen nicht ausreichend mit Folat versorgt. Die Hälfte nimmt weniger als 200 Mikrogramm zu sich.4

Folsäure-Einnahme: Wissensdefizite in Bevölkerung
Studien zufolge gibt es große Wissensdefizite in der Allgemeinbevölkerung zur Bedeutung des B-Vitamins für die Schwangerschaft. Bei einer Erhebung des Bundesinstituts für Risikobewertung5 wusste weniger als die Hälfte der Befragten, die den Begriff „Folsäure“ schon gehört hatten, dass dies ein Vitamin ist. Nur jede zweite Teilnehmerin mit Kinderwunsch konnte sich vorstellen, Folsäure-Präparate wie empfohlen einzunehmen. Vielfach gab es unbegründete Sorgen wie generelle Bedenken gegen Tabletten, Furcht vor Nebenwirkungen oder Zweifel an der Wirksamkeit. „Die rechtzeitige Umsetzung der Folsäure-Empfehlungen im gebärfähigen Alter sind aber von großer Bedeutung für die Prävention von kindlichen Fehlbildungen“, sagt Obeid. Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit setzt sich daher dafür ein, das Wissen zu Folsäure/Folat sowie die Versorgung damit in Deutschland zu verbessern.


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Statistisches Bundesamt: Broschüre „Geburten in Deutschland 2012“, Ausgabe 2012
2)Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Werden an Weihnachten die meisten Kinder gezeugt? (Link, abgerufen am 18.09.2014)
3)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, Link
4)Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbe-richt 2012. Bonn (2012) 40-85
5)Kowoll S. et al. (Bundesinstitut für Risikobewertung): Wissensstand von jungen Erwachsenen über die Bedeutung von Folsäure zur Prävention von Neuralrohrdefekten, Poster anlässlich der 13. Dreiländertagung von ÖGE, DGE und SGE:, 27.-28.09.2012, Wien

06. November 2014

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Embryonale Fehlbildungen verhindern: Rechtzeitig an Folsäure denken

Schwangere Frau

Der 25. Oktober ist Internationaler Spina bifida & Hydrocephalus Tag

Viele Frauen starten Prävention zu spät / Gute Versorgung mit Folsäure und Folat senkt Risiko um bis zu 70 Prozent / Folataufnahme in Deutschland generell unzureichend

Frankfurt am Main, 16. Oktober 2014 (akfg) – Zum dritten Mal findet am 25. Oktober der Internationale Spina bifida & Hydrocephalus Tag statt.1 Ziel ist es, weltweit das öffentliche Bewusstsein für diese angeborenen Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, zu stärken und die Prävention zu verbessern. Hierbei spielt ein bestimmtes B-Vitamin, das Folat*, die Hauptrolle. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind bestmöglich zu schützen. Darauf weist Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de), hin. In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich.

Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn sich das Neuralrohr im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und  28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida und Hydrocephalus.

Die Folgen von Spina bifida und Hydrocephalus

Spina bifida bedeutet so viel wie „gespaltener Wirbel“. Die Konsequenzen für das Kind können sehr unterschiedlich sein. Die geschlossene Form (Spina bifida occulta) ist äußerlich kaum erkennbar und verläuft zunächst symptomfrei. Bei der offenen Form (Spina bifida aperta) tritt das Rückenmark durch den Wirbeldefekt aus seinem unverschlossenen Kanal heraus und liegt ungeschützt an der Körperoberfläche – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung „offener Rücken“. Die Schädigung des fehlgebildeten Rückenmarks führt zu einer Querschnittslähmung, die je nach Höhe der Spina bifida unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei 80 Prozent der Betroffenen kann zudem das Hirnwasser nicht mehr richtig  abfließen. Es staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert. Man spricht dann von einem Hydrocephalus.2,3  

Diagnose und Behandlung

Festgestellt werden Neuralrohrdefekte meist um die 20. Schwangerschaftswoche bei einem Vorsorgeultraschall. Operativ wird direkt nach der Entbindung das offene Rückenmark abgedeckt, meist muss das Nervenwasser künstlich abgeleitet werden (Shuntversorgung). Diese lebensnotwendigen Eingriffe können jedoch die zuvor entstandenen Nervenschädigungen bzw. Lähmungen nicht heilen. Die meisten Eltern entscheiden sich daher, konfrontiert mit der vorgeburtlich gestellten Diagnose, für einen Schwangerschaftsabbruch.

Mit Folsäure und Folat vorsorgen!

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“

Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de

* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.

Quellen:

  1. International Federation for Spina Bifida and Hydrocephalus (http://www.worldspinabifidahydrocephalusday.com/, abgerufen am 28.09.2014)
  2. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 28.09.2014)
  3. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 28.09.2014)
  4. B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

Abdruck honorarfrei / Beleg erbeten

Embryonale Fehlbildungen verhindern: Rechtzeitig an Folsäure denken

Schwangere Frau

Der 25. Oktober ist Internationaler Spina bifida & Hydrocephalus Tag

Viele Frauen starten Prävention zu spät / Gute Versorgung mit Folsäure und Folat senkt Risiko um bis zu 70 Prozent / Folataufnahme in Deutschland generell unzureichend

Frankfurt am Main, 16. Oktober 2014 (akfg) – Zum dritten Mal findet am 25. Oktober der Internationale Spina bifida & Hydrocephalus Tag statt.1 Ziel ist es, weltweit das öffentliche Bewusstsein für diese angeborenen Fehlbildungen, sogenannte Neuralrohrdefekte, zu stärken und die Prävention zu verbessern. Hierbei spielt ein bestimmtes B-Vitamin, das Folat*, die Hauptrolle. Frauen sollten Folsäure* bereits vor der Schwangerschaft gezielt einnehmen, um ihr Kind bestmöglich zu schützen. Darauf weist Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de), hin. In Deutschland sei die Versorgung mit Folat generell unzureichend und zu wenige Frauen nähmen Folsäure rechtzeitig, das heißt schon bei Kinderwunsch, zu sich.

Aus dem Neuralrohr entwickeln sich beim Embryo Gehirn und Rückenmark. Wenn sich das Neuralrohr im Frühstadium der Schwangerschaft, zwischen dem 22. und  28. Tag nach der Empfängnis, nicht richtig schließt, kommt es zu Fehlbildungen wie Spina bifida und Hydrocephalus.

Die Folgen von Spina bifida und Hydrocephalus

Spina bifida bedeutet so viel wie „gespaltener Wirbel“. Die Konsequenzen für das Kind können sehr unterschiedlich sein. Die geschlossene Form (Spina bifida occulta) ist äußerlich kaum erkennbar und verläuft zunächst symptomfrei. Bei der offenen Form (Spina bifida aperta) tritt das Rückenmark durch den Wirbeldefekt aus seinem unverschlossenen Kanal heraus und liegt ungeschützt an der Körperoberfläche – daher auch die umgangssprachliche Bezeichnung „offener Rücken“. Die Schädigung des fehlgebildeten Rückenmarks führt zu einer Querschnittslähmung, die je nach Höhe der Spina bifida unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei 80 Prozent der Betroffenen kann zudem das Hirnwasser nicht mehr richtig  abfließen. Es staut sich im Kopf, der sich krankhaft vergrößert. Man spricht dann von einem Hydrocephalus.2,3  

Diagnose und Behandlung

Festgestellt werden Neuralrohrdefekte meist um die 20. Schwangerschaftswoche bei einem Vorsorgeultraschall. Operativ wird direkt nach der Entbindung das offene Rückenmark abgedeckt, meist muss das Nervenwasser künstlich abgeleitet werden (Shuntversorgung). Diese lebensnotwendigen Eingriffe können jedoch die zuvor entstandenen Nervenschädigungen bzw. Lähmungen nicht heilen. Die meisten Eltern entscheiden sich daher, konfrontiert mit der vorgeburtlich gestellten Diagnose, für einen Schwangerschaftsabbruch.

Mit Folsäure und Folat vorsorgen!

„Gesichert ist, dass eine optimale mütterliche Folatversorgung das Risiko für Neuralrohrdefekte deutlich senken kann – wie Studien zeigen um etwa 70 Prozent“, sagt Koletzko. „In Deutschland tritt bei jährlich 700 bis 1.000 Schwangerschaften ein Neuralrohrdefekt auf. Somit wären bis zu 700 Fälle dieser Fehlbildungen pro Jahr vermeidbar, wenn alle Mütter frühzeitig die Aufnahme von Folsäure und Folat optimieren.“

Der Experte für Kinderheilkunde weist darauf hin, dass zur Prävention ein ausreichender Folatspiegel schon zu Beginn der Schwangerschaft erreicht sein müsse. „Alle Frauen, die schwanger werden wollen, sollten deshalb zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich ein Folsäure-Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm einnehmen.“ Es sei ratsam, die Supplementation mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels fortzuführen, rät Koletzko. So auch die Empfehlung führender deutscher Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin oder der Deutschen Gesellschaft Gynäkologie und Geburtshilfe.4 Viele Frauen, weiß Koletzko, starten mit einer zusätzlichen Zufuhr von Folsäure jedoch erst, nachdem sie wissen, dass sie schwanger sind – und damit zu spät. Hinzu kommt, dass über die Nahrung generell zu wenig von dem B-Vitamin zugeführt wird. Empfohlen sind täglich 300 Mikrogramm, bei Schwangeren und Stillenden sogar 550 bzw. 450 Mikrogramm. Aufgenommen werden in Deutschland durchschnittlich nur 200 Mikrogramm.

Vorteile angereicherter Grundnahrungsmittel

Vor allem Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind natürlicherweise reich an Folat. Jedoch lässt sich insbesondere der Folatbedarf von Frauen rund um die Schwangerschaft nicht allein über die tägliche Ernährung decken. Deshalb fügen unter anderem die USA oder Kanada dem Grundnahrungsmittel Mehl Folsäure hinzu. So konnten diese Länder die Folatversorgung der Bevölkerung verbessern und die Zahl der Neuralrohrdefekte reduzieren. Deutschen Verbrauchern empfiehlt der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit deshalb, im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel zu verwenden (wie z. B. Speisesalz mit Folsäure). „Damit kann es mehr Menschen im Alltag gelingen, besser mit dem B-Vitamin versorgt zu sein“, sagt Koletzko. Gerade auch Frauen, die ungeplant schwanger werden, könnten davon profitieren.

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.

Quellen:

  1. International Federation for Spina Bifida and Hydrocephalus (http://www.worldspinabifidahydrocephalusday.com/, abgerufen am 28.09.2014)
  2. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Spina bifida (http://www.asbh.de/spinabifida.html, abgerufen am 28.09.2014)
  3. Arbeitsgemeinschaft Spina bifida und Hydrocephalus e.V.:  Hydrocephalus (http://www.asbh.de/hydrocephalus.html, abgerufen am 28.09.2014)
  4. B Koletzko et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Teil 1. Handlungsempfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie“. Dtsch Med Wochenschr 2012; 137: 1309-1313

16. Oktober 2014

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Folatreicher Grünkohl – das gesunde Trendgemüse endlich wieder frisch vom heimischen Feld

Frischer Grünkohl

Die Grünkohlsaison hat begonnen. Das Trendgemüse ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch äußerst gesund. Was viele nicht wissen: Grünkohl zählt zu den Top-Folat-Lieferanten.

Die Grünkohlsaison hat begonnen: Traditionell wird sie mit dem ersten Frost eingeläutet, doch kann das Trendgemüse, das in den USA einen anhaltenden Verzehrboom erlebt, auch schon vorher geerntet werden. Seine Vorteile: Es ist nicht nur sehr schmackhaft, sondern auch äußerst gesund, da es einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen aufweist. Was viele nicht wissen: „Grünkohl zählt zu den Top-Folat-Lieferanten“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Stein, stellvertretender Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). „Das B-Vitamin benötigt der Körper für Wachstumsprozesse, die Zellteilung und Blutbildung. Embryos im Mutterleib schützt es vor schweren Fehlbildungen.“ Es sei deshalb wichtig, die Versorgung mit Folsäure/Folat* über gesunde Ernährung, angereicherte Grundnahrungsmittel (zum Beispiel entsprechend angebotene Speisesalze) und gegebenenfalls mit Supplementen zu optimieren.

Ein „Superfood“ auf dem Vormarsch
Zu einer gesundheitsbewussten Ernährungsweise passt Grünkohl ideal. Das ist auch in den USA bekannt, wo er derzeit eine wahre Renaissance erlebt. „Kale“, wie Grünkohl dort genannt wird, ist mittlerweile zum so genannten „Superfood“ aufgestiegen. Der Grünkohlgenuss vereint ein würzig-herbes mit einem süßlichen Geschmackserlebnis. Denn die Kälte bzw. der Frost bei der Ernte sorgen dafür, dass der Zuckerabbau in den Blättern gehemmt wird. So ist Grünkohl der Renner auf den Speisekarten und Gemüsemärkten von New York bis Hollywood. Dabei wird er dort weniger deftig mit Mettwurst oder Schweinebacke wie hierzulande genossen, sondern vor allem in seiner leichten, kalorienarmen Version: in Form verschiedener Grünkohl-Salatvariationen oder als Grünkohl-Smoothie. So empfiehlt die Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow das Blattgemüse bereits zum Frühstück als Saft im Mix mit Zitrone, Apfel, Zimt und Minze. Der neueste Diät-Trend: Grünkohlchips als Alternative zu fetthaltigen Kartoffelchips. Dazu werden die Blätter zum Beispiel mit einer Marinade aus Paprika, Walnüssen, Ahornsirup, Nährhefe, Zitronensaft, Salz und Cayennepfeffer gewürzt und anschließend knusprig gebacken.1,2 Nach dieser Zubereitung ist der Folatgehalt allerdings stark reduziert.

Grünkohl: Folat-Star unter den Gemüsesorten
Als Tagesbedarf an Folat nennt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung 300 Mikrogramm täglich. Schwangere und Stillende benötigen deutlich mehr, nämlich 550 bzw. 450 Mikrogramm.3 „Die Hälfte aller Deutschen nimmt jedoch weniger als 200 Mikrogramm zu sich“, sagt der Ernährungsexperte Stein. Grünkohl sei unter den Gemüsesorten und Hülsenfrüchten neben Kichererbsen, Linsen und Spinat besonders folatreich und könne helfen, die Versorgung mit dem für den Körper so wichtigen Vitamin zu verbessern. Neben reichlich Calcium, Vitamin C und Eisen enthalte das Wintergemüse 187 Mikrogramm Folat pro 100 Gramm (in ungekochtem Zustand).

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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:

1)Industrieverband Agrar: Wintergemüse will Kultstatus – der Grünkohl, Link (abgerufen am 18.09.2014)
2)DiePresse.com: Kale: Der coole Kohl aus Amerika, Link (abgerufen am 18.09.2014)
3)Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, Link

06. November 2014

Abdruck honorarfrei / Beleg erbeten

Nach Senkung der DGE-Referenzwerte: Folat-Versorgung in Deutschland bleibt mangelhaft – Aufnahme noch geringer als angenommen

Backzutaten und Utensilien

Keinen Grund zur Entwarnung bei der Folatversorgung sieht der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit. Zwar hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) den empfohlenen Tageswert von 400 µg auf 300 µg gesenkt. Die Lücke zwischen empfohlener und realer Aufnahme bleibt aber groß. Denn nach einer von Wissenschaftlern des Max Rubner-Instituts vorgenommenen Neubewertung nimmt etwa die Hälfte aller Deutschen weniger als 200 µg Folat zu sich. Die Folataufnahme ist damit noch geringer als bislang vermutet. „Theoretisch lässt sich der empfohlene Tageswert durch gesunde Kost erreichen“, sagt Arbeitskreis Folsäure-Sprecher Prof. Dr. Berthold Koletzko. Praktisch aber erreichen viele Menschen die empfohlene Tageszufuhr nur, wenn sie mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel verzehren (zum Beispiel Speisesalze mit Folsäure). Der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit setzt sich für eine bessere Versorgung mit Folat ein (www.ak-folsaeure.de).

Folat benötige der Organismus, damit neue Zellen entstehen und wachsen könnten, erklärt Koletzko. Das lebenswichtige B-Vitamin trage außerdem dazu bei, den gefäßschädigenden Stoff Homocystein aus dem Blut zu „entsorgen“. Jugendlichen und Erwachsenen riet die DGE bisher, täglich 400 µg über die Nahrung aufzunehmen. Nach einer Neuauswertung von Studien geht die DGE jetzt von 300 µg aus, um gut versorgt zu sein [1,2]. Zugleich hat das Max Rubner-Institut die tatsächliche, mittlere (mediane*) Zufuhr auf Grundlage der Nationalen Verzehrsstudie (NVS II) neu berechnet: Sie beträgt jetzt für Frauen nur noch 184 µg, für Männern 207 µg Folsäure/Folat**. Das ist ebenfalls rund ein Viertel weniger, als bisher geschätzt. Die Wissenschaftler hatten die Daten von knapp 14.000 Studienteilnehmern anhand des aktuellen, sogenannten Bundeslebensmittelschlüssels neu analysiert [3,4].

Der Arbeitskreis Folsäure rät: So lässt sich die Folatlücke schließen

Verbraucher sollten sich an den Empfehlungen der DGE für eine vollwertige Ernährung [5] orientieren, rät Prof. Dr. Rima Obeid, stellvertretende Sprecherin des Arbeitskreises Folsäure. Gute natürliche Folatquellen sind beispielsweise grüne Gemüsesorten wie Blattsalat oder Spinat aber auch Kohlgemüse, Tomaten und Zitrusfrüchte sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Ideal sind fünf Portionen Obst oder Gemüse am Tag (auch als Rohkost bzw. schonend zubereitet) und mehrmals täglich Vollkornprodukte. „Aber auch wenn das Wissen vorhanden ist, gelingt die praktische Umsetzung im Alltag oft nicht“, so Obeid. Für eine bessere Folatversorgung fordert der Arbeitskreis Folsäure zudem, Grundnahrungsmittel wie Mehl oder Backwaren mit Folsäure anzureichern, schon vorhandene Angebote wie beim Speisesalz sollten genutzt werden. Nicht hilfreich ist dagegen die wahllose Anreicherung von Produkten wie Orangensaft oder Süßwaren, die nur unregelmäßig verzehrt werden.

Schwangerschaft: Zusätzlich Folsäure-Präparate einnehmen

Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf, die neuen DGE-Referenzwerte beziffern ihn auf 550 µg bzw. 450 µg Folat pro Tag (statt bisher je 600 µg). Wie die DGE rät der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit allen Frauen, bei Kinderwunsch schon vor der Schwangerschaft zusätzlich täglich ein Präparat mit mindestens 400 µg Folsäure einzunehmen, mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Das ist deshalb so bedeutend, weil ein optimaler Folatstatus der Mutter den Embryo insbesondere schon zu Schwangerschaftsbeginn vor schweren angeborenen Fehlbildungen schützen kann, zum Beispiel vor sogenannten Neuralrohrdefekten. „Laut Nationaler Verzehrsstudie nutzen generell weniger als 20 Prozent der deutschen Frauen im gebärfähigen Alter eine zusätzliche Supplementation von Multivitaminpräparaten mit zum Beispiel Folsäure“, erklärt Obeid. „Da erfahrungsgemäß viele Schwangerschaften nicht geplant sind, sollte bei Frauen in diesem Alter besonders auf eine ausreichend Folatversorgung geachtet werden. Dieses Ziel lässt sich durch gezielte Supplementation beziehungsweise Folsäure-Anreicherung von ausgewählten Grundnahrungsmitteln erreichen.“

Weitere Informationen zum Thema erhalten Interessierte beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern gegründet wurde: www.ak-folsaeure.de


*Median: Die eine Hälfte aller gemessenen Werte liegt darüber, die andere Hälfte darunter

**Folsäure und Folat: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird.

Quellen:

[1] Pressemeldung: „DGE veröffentlicht neue Referenzwerte für Folat“, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 18. Juni 2013, www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=1286

[2] Ausgewählte Fragen und Antworten zu Folat, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Juni 2013, www.dge.de/pdf/ws/FAQ-Folat-DGE.pdf

[3] Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Kapitel Folat. Deutsche Gesellschaft für Ernährung. 1. Auflage, 5. korrigierter Nachdruck, 2013, www.dge.de/pdf/ws/Referenzwerte-2013-Folat.pdf

[4] Krems C, Walter C, Heuer T, Hoffmann I: Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr – Ergebnisse der Nationalen Verzehrsstudie II. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (Hrsg.): 12. Ernährungsbericht 2012. Bonn (2012) 40-85

[5] „Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE“: www.dge.de/pdf/10-Regeln-der-DGE.pdf

Februar 2014

Mehr als Schwangerschaftsvorsorge: Folsäure und weitere B-Vitamine können das Schlaganfallrisiko senken

Paar am Strand

Meta-Analyse zeigt Reduktion um zwölf Prozent / Häufige Todesursache / Deutsche nehmen zu wenig Folsäure zu sich / Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit klärt auf und gibt Tipps

Frankfurt am Main, 26. Februar 2013 (akfg) – Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ empfiehlt Folsäure zur Schwangerschaftsvorsorge,1 das B‑Vitamin kann Kinder im Mutterleib vor schweren Fehlbildungen bewahren. Doch das scheint nicht der einzige Nutzen zu sein: Eine große Meta-Analyse weist darauf hin, dass die Einnahme von B‑Vitaminen wie Folsäure, B6 und B12 bei Patienten mit Gefäßkrankheiten offenbar auch das Schlaganfallrisiko reduzieren kann.2 Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, betroffen sind meist ältere Personen.3,4 „Egal ob jung oder alt, die Deutschen nehmen zu wenig Folsäure bzw. Folat zu sich,“5 sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko, München, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit, der sich für eine bessere Versorgung einsetzt (www.ak-folsaeure.de). Zu den Tipps des Arbeitskreises zählt, bei den Grundnahrungsmitteln (zum Beispiel beim Speisesalz) solche Angebote zu wählen, die mit Folsäure angereichert sind.

Der Meta-Analyse wurden 19 Studien mit insgesamt 47.921 Patienten mit vorbestehender Gefäßerkrankung zugrunde gelegt.2 Erhielten Personen gezielt B-Vitamine wie Folsäure, B6 und B12, sank das Risiko für einen Schlaganfall signifikant um zwölf Prozent, verglichen mit Patienten ohne zusätzliche Vitaminzufuhr. Die Studien dauerten 6 bis 85 Monate, waren randomisiert und wurden in der Mehrzahl doppelblind und placebokontrolliert durchgeführt. Die vor Schlaganfall schützende Wirkung lässt sich möglicherweise damit erklären, dass B-Vitamine wie Folsäure den Homocystein-Spiegel im Blut senken. Das Stoffwechselprodukt Homocystein steht im Verdacht, in zu hoher Konzentration die Blutgefäße zu schädigen.

Jährlich erleiden weit über 200.000 Deutsche einen Schlaganfall. Er ist nicht nur eine der häufigsten Todesursachen, sondern auch einer der häufigsten Gründe für erworbene Behinderung.3 Mit dem Alter erhöht sich das Risiko. Das Robert-Koch-Institut rechnet wegen des demographischen Wandels mit steigenden Fallzahlen.4 „In der Prävention können B-Vitamine wie Folsäure möglicherweise eine wichtige Rolle spielen“, so Koletzko. „Wünschenswert sind Studien zum präventiven Effekt bei gesunden Personen ohne vorherige kardiovaskuläre Erkrankung.“ In den USA wird seit 1998 Mehl obligatorisch mit Folsäure angereichert. Einer Erhebung aus dem Jahre 2006 zufolge könnte dadurch die Zahl tödlicher Schlaganfälle jährlich um rund 13.000 gesunken sein.6 In Deutschland wird Mehl derzeit nicht angereichert. Trotzdem kann jeder Verbraucher auch jetzt schon selbst vorsorgen.

Tipps für eine gute Versorgung

Um die Versorgung mit Folsäure/Folat zu verbessern, rät Koletzko: „Täglich frisches Obst und Gemüse, am besten fünf Mal und teilweise als Rohkost. Viel Folat enthalten beispielsweise Blattsalat, Spinat, Kohlgemüse, Tomaten und Orangen sowie Vollkornprodukte oder Hülsenfrüchte. Die Lebensmittel möglichst kurz und schonend garen (dünsten oder dämpfen), um das Vitamin zu erhalten. Außerdem sollten im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel (z. B. Speisesalz) verwendet werden. Davon profitieren alle Altersgruppen. Für Frauen, die sich Kinder wünschen, gilt, dass sie zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel mit Folsäure/Folat (Tagesdosis mindestens 400 µg) aus der Apotheke nehmen sollten1.“

Folsäure und Folat

Das lebenswichtige B-Vitamin Folat bzw. Folsäure kann unser Körper nicht selbst bilden. Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird. Weitere Informationen zum Thema erhalten interessierte Verbraucher beim Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit, der vor mehr als 10 Jahren von Wissenschaftlern und Präventionsmedizinern ins Leben gerufen wurde (www.ak-folsaeure.de).

Zeichen mit Leerzeichen: 3.779

Quellen:

  1. Koletzko B. et al.: Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie. aid infodienst e.V. 2012, Bestell-Nr. 3589
  2. Huang T et al.: Meta-analysis of B vitamin supplementation on plasma homo-cysteine, cardiovascular and all-cause mortality. Clin Nutr 2012; 31(4): 448-454
  3. Heuschmann PU et al.: Schlaganfallhäufigkeit und Versorgung von Schlaganfallpatienten in Deutschland. Akt Neurol 2010; 37:333-340
  4. Robert Koch-Institut (Hrsg), Gesundheit in Deutschland, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Kapitel 1.2.2.2 Schlaganfall, Robert Koch-Institut, Berlin, 2006
  5. Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2, Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, 2008
  6. Yang Q et al.: Improvement in Stroke Mortality in Canada and the United States, 1990 to 2002. Circulation 2006; 113:1335-1343

26. Februar 2013

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