Frankfurt am Main, 01.10.2025 – 82 Prozent der Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren wissen, dass Folsäure wichtig für die Entwicklung des Kindes in der Schwangerschaft ist – 53 Prozent kennen auch den präventiven Effekt. Das zeigt eine repräsentative Befragung* des Arbeitskreises Folsäure & Gesundheit in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut YouGov. Folsäure trägt in den ersten Schwangerschaftswochen entscheidend zur Prävention von Neuralrohrdefekten bei – dennoch ist in Deutschland etwa eine von 1.000 Schwangerschaften davon betroffen.** „Es freut uns, dass die Bedeutung von Folsäure von vielen Frauen richtig eingeschätzt wird. Aber dass die Supplementation bereits mindestens vier Wochen vor der Schwangerschaft begonnen werden sollte, ist nicht immer präsent und deshalb beginnen viele Frauen zu spät mit der Einnahme“, sagt Privatdozentin Dr. Anke Rißmann, Sprecherin des Arbeitskreises und Leiterin des Fehlbildungsmonitorings an der Universitätsmedizin Magdeburg. „Für die Praxis brauchen wir Empfehlungen, die verständlich, einprägsam und leicht kommunizierbar sind, da eine ausreichende Folatversorgung helfen kann, das Risiko für Neuralrohrdefekte um mindestens 50 Prozent zu senken“, ergänzt die Pädiaterin.
Drei Monate vor Schwangerschaftsbeginn – einfach und eindeutig
Die derzeit gültigen Empfehlungen nennen einen Beginn von mindestens vier Wochen vor Eintritt der Schwangerschaft und die Fortführung mindestens bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Diese spezifische Formulierung kennt laut der Befragung nur 24 Prozent der Frauen. Deutlich mehr – 47 Prozent – war hingegen die vereinfachte Botschaft „drei Monate vor der Schwangerschaft beginnen“ geläufig. „Das macht deutlich, dass die Drei-Monats-Empfehlung offenbar leichter zu verstehen ist und nachhaltiger im Gedächtnis bleibt“, resümiert Dr. Frank Thieme, niedergelassener Gynäkologe und Arbeitskreismitglied.
Klarheit in den Empfehlungen notwendig
„Seit fast drei Jahrzehnten zeigt sich in Deutschland keine relevante Abnahme der Prävalenz von Neuralrohrdefekten. Ein Hinweis darauf, dass die bisherigen Empfehlungen in ihrer Wirkung begrenzt bleiben“, erklärt Dr. Rißmann. Auch weil der Folatbedarf nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel weiterhin erhöht und die rein alimentäre Abdeckung erschwert bleibt, könnte es für die adäquate Folsäureversorgung über die gesamte Schwangerschaft zielführender sein, die Empfehlung so klar wie möglich zu formulieren: drei Monate vor der Schwangerschaft beginnen und bis zum Ende der Schwangerschaft fortführen. „All diese Aspekte gilt es, in zukünftigen Empfehlungen möglichst zu berücksichtigen. Eine einfache und konkrete Botschaft könnte die Chancen erhöhen, dass mehr Frauen von der präventiven Wirkung der Folsäure profitieren“, fasst Dr. Thieme zusammen.
* Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für diese Befragung wurden im Zeitraum 20. und 28.03.2025 insgesamt 797 Frauen befragt.
** Obeid R. et al. (2016) Folate status and health: challenges and opportunities. J. Perinat. Med; 44(3): 261–268, DOI: 10.1515/jpm-2014-0346
